Zurück ins Paradies

 

 

„Ich will zurück ins Paradies
Da war ich doch schon mal
Ich will zurück ins Paradies
So damals knapp vorm Sündenfall“ –

 

St. Stephani rockt –

Die Prinzen gaben am frühen Sonntag-Abend des 01. Oktober 2017 ihr nunmehr 7. Heimspiel in „Seligenstadt“. So lautete der frühe Gründungsname (um 780 n. Chr.) der heutigen Stadt Osterwieck am östlichen Nord-Harz im Bundesland Sachsen-Anhalt. Wieder war das Konzert ausverkauft und die Besucher standen bereits 1 h vor Konzertbeginn geduldig vor dem Portal des romanischen Westwerkes der evangelischen Kirche St. Stephani – es war freie Platzwahl.

 

Die blaue Kirche

Nach Einlass und Platzsicherung war noch genügend Zeit, bei restlichem Tageslicht, das durch die Fenster schien, einige Impressionen des blau beleuchteten Kircheninneren einzufangen.

Ich habe die Kirche St. Stephani kurz nach dem Mauerfall erstmals besichtigt. Trotz der in Teilen augenscheinlichen Baufälligkeit war ich angetan von dem Bauwerk; nicht so sehr wegen der Größe, sondern wegen der harmonischen Geschlossenheit und der Proportionen des Kirchenbaues, trotz der 3 voneinander abweichenden, gut sichtbaren Baustile, die Folge unterschiedlicher Entstehungszeiten sind. So steht der früh entstandene schlichte romanische Westbau mit dem Doppelturm einem typischen spätgotischen Ostchor gegenüber. Das als Hallenkirche nach der Reformation etwa 1550 zuletzt errichtete Hauptschiff bietet dagegen durch seine inneren Proportionen und die Ausgestaltung mit dem bräunlich geäderten (Eisenoxyd-Einlagerungen) Sandstein eine ungewohnte warme Atmosphäre; im Gegensatz zu vielen anderen gotischen Kirchengebäuden, wie man sie aus der norddeutschen Region kennt. Nach nunmehr 27 Jahren verdeckt kein Gerüst, keine Bauplane das Bauwerk, weder außen noch innen. Inbesondere im Inneren haben die Restauratoren ein architektonisches Schmuckstück freigelegt.

Für Interessierte bietet die Webseite http://stephanikirche.npage.de eine hervorragend Übersicht. Lesenwert ist insbesondere das Kapitel über Steinmetz „Mester Loddenerh“.

Raymond Faure, ein „Franzose aus Goslar“ hat mit unglaublich vielen Aufnahmen eine Fotoübersicht über Osterwieck und St. Stephani (wie auch über vieles andere Sehenswerte aus dem nordharzer Raum) geschaffen, die in ihrer dokumentarischen Detailarbeit und Präzision nicht zu überbieten ist.

 

Vor den Prinzen war die Leipziger Cantorey

St. Stephani ist mir insbesondere auch deswegen in guter Erinnerung, weil wir hier unter Gotthold Schwarz, dem jetzigen Thomaskantor, einige sehr gute Neujahrskonzerte mit der Leipziger Cantorey und dem Bach Consort Leipzig erleben konnten. Was bei den Prinzen eigentlich keine Rolle spielt, kommt bei den hochkarätigen, unplugged gespielten Konzerten der Leipziger Künstler für Alte Musik besonders zum tragen, der ungewöhnlich warme Klang des Kirchenraumes, mehr einem Konzertsaal als einem gotischen Kirchenschiff entsprechend.

 

Spot an

Zurück zu den fotografischen Aspekten. Die beiden Fotos von Pfarrer Stephan Eichner, der mit seinen Begrüßungsworten das Prinzenkonzert einleitete, machen fotografische Schwierigkeiten deutlich, die durch die extremen Belichtungsverhältnisse verursacht werden und die den Belichtungsspielraum moderner digitaler Kameras weit überschreiten. 

Die mittenbetonte Integralmessung erfordert zumeist eine starke Minuskorrektur der Belichtung für die hellen Bildeanteile, während die Spot-Messung eine gegenteilige Korrektur notwendig macht. Bei der ersten Variante ist der Hintergrund einigermaßen dargestellt, dafür die Lichter (hell angestrahlte Gesichter ) „ausgefressen“, bei der zweiten Variante kommen die hellen Gesichter gut zur Geltung, dafür „saufen“ die Tiefen des Hintergrundes im Dunkel ab. Bei der Fujifilm X-T2 ist die Umstellung zwischen Spot-, Mitten- oder Integralmessung erfreulich schnell über einen kleinen Hebel am Belichtungszeitenrad erfolgt, die Belichtungskorrektur mit Hilfe des eigens dafür konzipierten Rades erledigt, so dass auch für einen unerfahrenen Konzertfotografen (wie mir) in der kurzen Zeit des Konzertes einige Aufnahmen gelingen können. Die Erfolgsrate ist unter diesen Umständen bei einer adäquat korrigierten Spot-Messung sichtbar höher.

Durch einen blöden Fehler von mir war leider meine Grundeinstellung der Kamera mit Speicherung der RAW-Dateien auf der schnellen SD-Karte in Slot 1 und die der JPGs in Slot 2 aufgehoben. Daher existieren nur von den ersten 10  Aufnahmen des Abends die RAW-Bilder. Alle anderen Konzertaufnahmen liegen nur als JPG vor. Die jeweils ersten Fotos in dieser Gegenüberstellung der Belichtungsarten belegen, dass die Grenzen der JPG-Nachbearbeitung erheblich eingeengt sind, so dass bei starker Nachbearbeitung störende Tonwertabbrüche in den Bildern zum Tragen kommen, die die Aufnahmen unbrauchbar machen.

 

 

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