Warten auf Godox

„Endlich blitzen mit HSS, TTL und Funk“ an der Fujifilm X-T2 –

Es war wieder Roland Gutowski (Mywayphotography), der mich mit einem seiner Videos auf YouTube aufmerksam gemacht hat und zwar diesmal auf das Blitzsystem der chinesischen Firma Godox in seiner Version für Fujifilm. Das von Fujifilm entwickelte Blitzgerät EF-X 500 zeichnet sich insbesondere durch einen hohen Preis aus, bietet dafür auch alle modernen Blitztechniken. Allerdings geschieht die Verbindung mehrer Blitzgeräte auf optischen Wege und nicht, wie bei etlichen Mitbewerbern per Funk. Somit erfodert die Kommunikation der Blitzgeräte untereinander immer einen direkten „Sichtkontakt“, was die Variabilität der Blitzpositionen erheblich einschränkt. In seinem Video sah ich erstmals, dass die Firma Godox nun ein auf die Kameras von Fujifilm angepasstes Blitzsystem anbietet.

Bei Korey Napier (KentuckyMan30) und Sean McCormack (Lightroomblog) fand ich diesbezüglich eine Bestätigung des einfach zu bedienenden Godox-Blitzsystems. Daneben sah ich neben der funkbetriebenen TTL-Blitzsteuereinheit X1T-F erstmals auch den kleinen Systemblitz TTL350-F. Beides zusammen ist über den Versandhandel zu einem erschwinglichen Preis zu erhalten, der nur einen Bruchteil der Originalblitze von Fujifilm, Canon oder Nikon beträgt.

Einfache, aber stabil gefertigte Blitzstative von Neewer und ein leichtes Schirmset von Walimex haben mein insgesamt noch preisgünstiges neues Blitz-Set aus einem X1T-F und zwei TT350-F vervollständigt. Mit Hilfe gerade des letzten Videos war es ohne eingehendes Studium der chinesisch/englischen Bedienungsanleitung möglich, das System mit der X-T2 zu verbinden, so dass alle TTL-/HSS-Funktionen einschließlich der Blitzlichtkompensation direkt über das Kameramenü eingstellt werden können. Auch lässt sich die TTL-Automatik des Transmitters aus der Kamera heraus auf manuelle Blitzregelung umstellen.

Bei den nun folgenden ersten Blitzversuchen sollte es gleich mit hohen Anforderungen zur Sache gehen: schwarze Gegenstände auf schwarzem Unter-/Hintergrund mit tiefem Schwarz in der Bildgebung und einer dezenten, plastischen Lichtführung (Hauptlicht: weißer Durchlichtschirm, Spitzlicht: Silberreflektor). Das sollte noch überboten werden durch die Darstellung durchsichtiger und teils stark reflektierender Gegenstände. Es ist schon für einen Blitz-Laien (wie mich) verblüffend, wie vergleichsweise unkompliziert einigermaßen brauchbare Ergebnisse damit zu erzielen sind. Einige Erkenntnisse haben mich dann doch etwas überrascht. Zum einen erfordert das viele Schwarz eine hohe Leuchtkraft, die selbst bei den kleinen Exponaten nur mit einer nahen Positionen der Schirme gewährleistet ist. Zum anderen ist es verblüffend, wie viel (unendlich) Fussel und winzige helle Partikel auf dem samtartigen Untergrund, aber auch an den Objekten haften – und dann erst die fettigen Fingerabdrücke. In Naheinstellung mit 1:0,5 oder nahezu 1:1 ist das Nerv tötend.

Bisherige Schlussfolgerungen nach den ersten Tests:

  1. Auch für einen Blitzmuffel wie mich bietet das Godox-System rasche, teils gute Ergebnisse, die zu weiteren Versuchen animieren; was sich am baldigen Einsatz der TTL-Blitzkorrektur über das Kameramenü zeigte.
  2. Erstaunlich war die geringe Ausdauer der (neuen) Duracell AA-Batterien. Die weißen Eneloop-Akkus der gleichen Größe scheinen ausdauernder zu sein und beruhigen zudem das Umweltgewissen (bei versprochenen 2500 Ladezyklen).
  3. Die Lichtausbeute des kleinen Systems kommt mit seiner Leitzahl von 36 bei ISO 200 schnell an bzw. über seine Grenzen, was bei kleiner Blendenöffnung von 16, kurzer Synchronisationszeit von 1/250 s und schwarzem Hinter-/Untergrund zu Unterbelichtungen führt. Dies kann allerdings bei der Nachbearbeitung in Grenzen mit bis zu 2 Blendenstufen korrigiert werden.
  4. Preis und Tragbarkeit bei kleiner Lichtleistung müssen so gegenüber der größeren Lichtausbeute, dem höheren Preis und nicht zuletzt der größeren Ausmaße und dem Gewicht des TT685-F oder des V860II-F mit ihrer Leitzahl von 60 bei ISO 100 abgewogen werden.
  5. Selbst die beiden größeren Blitzgeräte liegen mit ihren Preisen von etwa 115 € bzw. knapp 190 € weit unterhalb denjenigen der Kamerahersteller, die für eine Leitzahl von 60 gut 500 € verlangen. Professionelle Anforderungen an Zuverlässigkeit, Feuchtigkeits- und Temperaturresistenz stelle ich bei weitem nicht. Die Langzeithaltbarkeit der Godox-Geräte wird sich (bei meinem Gelegenheitsblitzen) herausstellen müssen.
  6. Für die hohe Leistungsklasse ist dann bei häufigerem („Studio-“) Einsatz vielleicht sogar das Godox AD200 Pocket-Flash mit seinem Preis von gut 300 € zu überlegen, das die TTL-Funktionen allerdings nur in Zusammenarbeit mit dem Transmitter erledigt. Auch für diese Kombination sind durchweg positive Kritiken zu finden.

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