Finetta Super

Schraubenzähler-Infektion –

Ja, ich gebe es zu, ich bin von der Schraubenzähler-Infektion befallen. In einer freundlichen Mail hat mich aber Herr Veddeler, der Autor der sehr informativen Finetta-Monographie darüber aufgeklärt, dass zwar nur geringe Heilungsaussichten bestünden, diese Infektion aber grundsätzlich ungefährlich sei, ich also beruhigt weitermachen könne.

Ich hatte ihm zuvor mitgeteilt, dass ich gerade noch rechtzeitig den Abschnitt über die verschiedenen Typen der Finetta Super in seinem Buch gelesen hatte, um auf eine Auktion zu reagieren, bei der eine Finetta Super Typ 2 versteigert wurde. Ich hatte bisher nur eine Finetta Super Typ 1.

Ich muss allerdings einschränken, dass bei mir offensichtlich nur der Infektions-Subtypus „Finetta“ zum Ausbruch gekommen ist. Ich vermute, dass diese Untergruppe eher langjährige Goslar-Bewohner befällt. Ein Rollei-Schnupfen ist bisher noch nicht voll zum Ausbruch gekommen.

 

Finetta Super Typ 1 und Typ 2

Die Finetta Super war die erste deutsche Kamera mit einem „Hot Shoe“, das heißt, sie besaß erstmalig einen Mittenkontakt. Während die Finetta IV noch über ein Kabel, was in den beiden Buchsen an der Front und am Blitzgerät steckte, synchronisiert wurde, erfolgte die Synchronisation des Blitzgerätes an der Finetta Super über den elektrischen Kontakt im Blitzschuh.

Neben der neuen Gehäuseform ist also dieser Blitzschuh einer der wesentlichen Unterschiede gegenüber der nahezu zeitgleich auf den Markt gebrachten Finetta IV. Auch setzt sich die Finetta Super mit einer anderen Anfassqualität von den Vorgängermodellen ab. Sie fühlt sich bei weitem nicht mehr so „blechern“ an.

Die erste Version der Finetta Super war nach Veddeler etwa im April 1951 marktreif, während die zweite Version ein Jahr später auf den Markt kam. Beide besaßen den Mittenkontakt im Blitzschuh. Der Lamellenverschluss des Typ 1 bot eine kürzeste Verschlusszeit von 1/100 s. Der Typ 2 ließ bereits 1/250 s zu. Hinsichtlich der Gehäuseform weist der Typ 1 eine eckige Gehäuse-Oberkappe auf. Der Typ 2 ist dagegen durch eine abgerundete Version gekennzeichnet. Hinsichtlich der Blitzschuhbefestigung scheint es fließende Übergänge zwischen Typ1 und Typ 2 zu geben. Dies kann man auch bei anderen Finetta-Typen beobachten. Offensichtlich wurde bei der Produktion der unterschiedlichen Typen das vorhandene Material pragmatisch und flexibel verwendet.

Die folgende Präsentation zeigt den Typ 1 Der Finetta Super auf der linken Seite. Die Aufnahmen vom Typ2 sind rechts abgebildet.

Es ist verwunderlich, dass viele gut erhaltene Finetta-Angebote bei eBay aus Groß Britannien stammen. Möglicherweise liegt die Ursache darin, dass Goslar nach dem 2. Weltkrieg zur britischen Besatzungszone gehörte und zahlreiche britische Soldaten Kameras der Marke Finetta mit nach hause genommen haben. Zudem war wohl der britische Importeuer Haynor Ltd. London nicht unerheblich an der Verbreitung der Finettas verantwortlich. Neben einer erhaltenen, recht seltenen Bedienungsanleitung für eine Finetta 99 habe ich dagegen vermehrt englischsprachiges Prospektmaterial zu den Sarabèr-Kameras gefunden.

 

Finelux

Die Patentanmeldung für das Blitzgerät erfolgte im Mai 1950. Für die Finetta Super wurde die ursprüngliche Version, die nur über ein Synchronisationskabel ausgelöst werden konnte, erweitert durch den Mittenkontakt, so dass ein „Blitzen ohne Kabel“ an der Finetta Super möglich wurde. Insgesamt gab es von dem Finelux-Blitz 5 Versionen, die sich in ihrer Batterie und der Synchronisationsweise unterschieden. Im Blitzgehäuse konnten Blitzbirnen oder Kapselblitze eingesetzt werden.

 

Auszug aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013 – mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Veddeler

 

Bei der Erstellung dieser Bilderserie über die Finetta Super und den Finelux habe ich es mir diesmal einfacher gemacht. Die Beleuchtung bestand nur aus natürlichem Licht, ohne Reflektoren oder einen Aufhellungsblitz und ohne Farbkorrektur durch einen Color Checker. Die JPGs aus der Fujifilm X-T2 (Nein, ich besitze immer noch keine Fujifilm X-H1. – Dazu später etwas mehr.) wurden lediglich geringfügig in Lightroom verarbeitet, teils wieder mit Silver Efex Pro 2 in SW konvertiert. Der Zwischenring Fujifilm MCEX-11 ermöglichte ein kürzere Nahdistanz für Detailaufnahmen mit dem Fujinon XF50mm F2 R WR. Alle Bilder wurden auf eine Kantenlänge von 1600 Px herunter gerechnet; allerdings erfolgte keine weitere Kompression des Bildmateriales.

 

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