Noch ‘n Dom

St. Stephanus und St. Sixtus zu Halberstadt, eine französische Kathedrale mitten in Deutschland.

Die scheinbar unermessliche Höhe des Kreuzgewölbes und die Vielzahl der Strebepfeiler sind Schwindel erregend und erzeugen einen steifen Nacken beim nicht enden wollenden Blick nach oben. Spektakulär ist der Dom in seiner hoch- oder spätgotischen Architektur und der nahezu vollständig erhaltenen mittelalterlichen Ausstattung.

Die beiden Domstädte Halberstadt und Hildesheim weisen gewisse historische Gemeinsamkeiten auf. Gründung im 9. Jahrhundert, in der Zeit nach Karl dem Großen, baldige Entwicklung zur Bischofs- und Domstadt und letztlich nahezu zeitgleiches Auslöschen der Altstädte durch alliierte Bombenangriffe Ende 1944 und Anfang 1945. In der Nachkriegszeit bis zur deutschen Wiedervereinigung nehmen beide Städte dagegen eine unterschiedliche Entwicklung, die einem auch heute, 27 Jahre nach dem Mauerfall, beim Gang durch die Städte immer wieder deutlich wird.

Hier der vergleichsweise kleine romanische Dom, im Krieg fast völlig zerstört, in den 60ger Jahren wieder errichtet und vor kurzem kostenaufwändig als moderne, helle Architektur renoviert. Dort der monumentale hochgotische Dom, der ebenfalls schwer zerstört, aber im Gegensatz zur umgebenden Altstadt bald wieder renoviert wurde und im Inneren eine gewisse Düsternis bietet, trotz der hohen gotischen Fenster. Die laufenden Sanierungen erscheinen angesichts des Größe unendlich. Der rasche hildesheimer Wiederaufbau der Innenstadt in den 50er und 60ger Jahren ging einher mit einer architektonischen Schlichtheit, die auch heute noch das bauliche Stadtbild prägt. Bebauungslücken wie auch das Nebeneinander von chronischem Zerfall einerseits und zeitgemäßer Altbausanierung sowie bereits wieder veralteten Plattenbauten andererseits bestimmen das halberstädter Stadtprofil.

Die Vielfalt des öffentlichen Lebens in Hildesheim, die Vitalität und die jünger wirkende Bevölkerung sind möglicherweise der Größe der Provinzstadt („Großstadt“), der Universität und auch der Nähe zur richtigen Großstadt Hannover geschuldet. Sinnbild für das Alltagsleben in diesem Vergleich scheint fast mein Einleitungsfoto vom halberstädter Domplatz zu sein – vielleicht auch als immer noch nachwirkender, sehr abweisender Eindruck, den wir aus einem eigentlich wunderschön renovierten Restaurant direkt am Domplatz in Erinnerung behalten haben.

Ursprünglich hatte ich für diesen Blogeintrag die Verwendung der RAW-Aufnahmen aus der Fujifilm X-T2 vorgesehen. Die erneut verblüffende Qualität der JPGs auch in den kleinsten Details hat mich veranlasst, hiervon eine Auswahl für die Webseite zu bearbeiten. Meine eigene RAW-Entwicklung im neuen Lightroom Classic CC hätte keine besseren Bildergebnisse zur Folge gehabt, sondern nur sehr viel mehr Zeit gekostet. Notwendige Modifizierungen der Lichter und Tiefen sowie Ausschnittvergrößerungen waren ohne Qualitätseinbußen bei den JPGs möglich: PRO Neg. STD mit den Einstellungen H -1, S +1, N -1, C +1, Sharp +2, WB Auto. Die Entscheidung, die Lichter (H) auf -1 zu setzen, hat sich wiederum bewährt. In keinem der Fotos sind „ausgefressene“ Lichter zu sehen, so dass diesbezüglich keine Korrekturen notwendig waren. Die Entwicklung (Aufhellung) der Tiefen macht bei den modernen Sensoren ohnehin keine nennenswerten Schwierigkeiten. Diese Dokumentation des Rundgangs durch den halberstädter Dom mit der X-T2 und dem Fujinon XF10-24mmF4 R OIS beweist, dass das verwendete Weitwinkelzoom hervorragend für Architekturfotografie geeignet ist. Noch einige Anmerkungen zu Lightroom Classic CC: die neuen Funktionen zu Bereichskorrekturen mit der Option von Masken, die in gewisser Weise der Ebenenbearbeitung in Photoshop ähneln, sind neben dem spürbaren Geschwindigkeitsgewinn ein echter praktischer Fortschritt. So wäre z.B. die Entwicklung des einleitenden Domplatzfotos mit seinen dominierenden Anteilen des überstrahlenden Himmmels in der Einfachheit vorher nicht möglich gewesen. Darauf habe ich lange gewartet.

 

 

 

 

 

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