Sarabèr: Finetta 99 – Ditto 99

Fotoapparate aus Goslar –

Eine Anfrage aus Australien zur Literatur über die Finetta-Kameras von Peter Sarabèr hat mir bewusst gemacht, dass ich mich schon länger nicht mehr um meine kleine Sammlung gekümmert habe und auch immer noch keine bleibende Ordnung geschaffen habe. Die Anfrage bezog sich speziell auf die Finetta-99-Serie.

Meine letzte Erwerbung aus dieser Baureihe war ein Modell aus der Sammlung K. Sie gehört zu den besseren Exemplaren in meiner Portfolio und ist wie folgt beschrieben:

  • Typ: Finetta 99 L
  • Hersteller: Saraber, Goslar
  • Seriennummer:  082952
  • Produktionsjahr(e):  Ab Mai 1953
  • Objektiv: P.Saraber Finon 2,8/45 Nr. 380381
  • Verschluss:  Lamellenverschluss bis 1/1000s
  • Besonderheiten:  B Federwerk für Serienaufnahmen.

 

Federmotor

Die Besonderheit dieser Kamera-Reihe ist offensichtlich auch gleichzeitig ihre Achillesferse, der Federmotor, der für eine automatische Bildserie sorgt – quasi ein „Winder“ aus der rein mechanischen Foto-Zeit.

 

 


 

 

Bild- und Textmaterial aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013 – mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Veddeler.

 

Bei vielen Exemplaren dieser Kamera-Serie ist heute der Motor defekt und nur schwer zu reparieren, weil kaum Mechaniker zu finden sind, die eine ausreichende Expertise dafür haben und auch, weil ein Ersatz für die Feder nicht mehr zu bekommen ist.

 

Objektive

Die Qualität der Finon-Objektive ist nach dem wenigen Bildmaterial, was man finden kann, besser als vermutet. Leider bin ich immer noch nicht dazu gekommen, einen Film mit einer meiner Finettas zu belichten.

 

 

Bild- und Textmaterial aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013 – mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Veddeler.

 

 

 

Objektivverriegelung

Die älteren Serien der Finetta 99 bieten beidseits Federstangen. Bei ungünstigen mechanischen Einflüssen auf das Objektiv konnten diese nachgeben, so dass das Objektiv ungewollt aus der Steckfassung fallen konnte. Die spätere Klinken-Verriegelung war stabiler und gleichzeitig schnell im Objektivwechsel. Bemerkenswert ist auch heute noch der auffallend große Durchmesser der Objektivfassung. Diese sollte Vignettierungen an Teleobjektiven und in der Makrofotografie vermeiden.

 

Analoge Bildergebnisse

Folgende Webseiten geben einen kleinen Überblick über die Qualität der Objektive, die Sarabèr an seinen Kameras einsetzte:

  1. Cheyenne Morrison mit Finon 45mm/f2.8S (Macro),
  2. Rick Drawbridge mit Finetar 45mm/f2.8 an einer Finetta 88,
  3. Mike Connealy auf seiner Webseite Finetar 45mm/f4 an einer Finetta IVD,
  4. Mike Connealy in seinem Blog mit Finetar43 mm/f4 an einer Finetta IVD.

 

Kameraprospekt

Mit der Sammlung K wurde mir auch altes Originalmaterial übergeben. Dazu gehört ein Prospekt mit den Kameraeigenschaften der Finetta 99, eine Preisliste von Oktober 1952 mit handschriftlichen Markierungen und eine originale Bedienungsanleitung.

 

Preisliste von 1952

 

Bedienungsanleitung zur Finetta 99

Die vollständige deutsche Bedienungsanleitung kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

 

Modellserien

Die Ditto 99 ist das Exportmodell für den amerikanischen Markt. Bis auf den Namen unterscheidet sie sich daher nicht von der Finetta 99. Ob es von der letzten Serie der Finetta 99 auch eine Ditto-Version gegeben hat, konnte ich bisher nicht herausfinden.

 

 

 

Bild- und Textmaterial aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013 – mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Veddeler.

 

 

Gelbfilter

Meine Ditto 99 kam aus den USA in einer Ledertasche. Am Riemen ist ein kleines Täschchen befestigt, in dem ein kleiner Gelbfilter steckt, passend für das Objektiv.

 

 

Ledertaschen

Die alte, defekte Finetta 99 steckte in einer großen, ebenfalls deutlich gealterten Duplotasche, die gleichzeitig den Finelux-Blitz aufnimmt. Die Ditto 99 hat dagegen ein recht gut erhaltenes Exemplar in der Größe, wie sie heute auch wieder für eine Fuji-Kamera, nämlich die Fujifilm X100F angeboten wird (LC-X100F).

 

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Der Zahn der Zeit

Angesichts der früheren Leichtbauweise ist die Mehrzahl der heutigen Finettas mit mehr oder weniger Korrosionsschäden behaftet oder nicht mehr funktionsfähig. Hier zeige ich Bildbeispiele für beides an meiner ältesten Finetta 99, die neben den Oberflächenschäden, einen Totalschaden am Verschluss und am Federmotor bietet. Meine beiden Exemplare der neueren Serie mit den Finon-Objektiven sind nach den vorsichtigen Trockenübungen wohl noch funktionsfähig.

 

 

Making of

Dieser Blogbeitrag ist kein fundierter Photographica-Artikel. Dafür fehlen mir die notwendigen Detailkenntnisse und als Sammler fehlt mir die Konsequenz in der Suche sowie die Zeit, um mir die notwendigen Informationen anzulesen. An dem Staubbelag der Kameras erkennt man zudem meine derzeitige Sorgfalt und Pflege der alten Kameras.

Ein zweiter Grund für diese Fotoserie hatte mehr Übungscharakter. Fotografie mit Mischlicht unter Einsatz einer Blitzunterstützung kann recht schwierig werden, insbesondere, wenn der Umgang mit dem entsprechenden Gerät nicht immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Zahlreiche Fehlaufnahmen hätte ich mir daher auch ersparen können, wenn ich mir einige ältere Einträge in diesem Notiz-Blog in Erinnerung gerufen hätte. Auch war es nicht Ziel, technisch perfekte Produktfotos herzustellen. Das können andere besser (z.B. Jonas Rask für Fujifilm). Auch erliege ich immer wieder Versuchungen der digitalen „Dunkelkammer“ oder neudeutsch dem Postprocessing – gerade was die SW-Konversion angeht. Einige Übertreibungen in der Farbentwicklung bei Klarheit, Struktur und Kontrasten haben mich durch die notwendigen Korrekturen ebenfalls unnötige Zeit gekostet. In Capture One erscheint die Grundentwicklung der Fuji-RAW-Dateien bei den hart belichteten Blitzmotiven bereits ausgewogen und harmonisch. Bei einigen Aufnahmen habe ich diese Übertreibungen erst spät bemerkt. Daher habe ich sie als Negativbeispiele belassen. Eine Anhebung der Farbsättigung habe ich bei keiner Aufnahme durchgeführt. Normalerweise nehme ich den Sättigungsregler in C1 sogar eher zurück. Gerade bei den 35er Aufnahmen habe ich aber die kräftige Farbigkeit diesmal belassen.

Zum Einsatz kamen die X-T2 (auf einem Stativ und mit Blitzfernsteuerung), die X-Pro2 (freihändig) mit dem Fujinon 50mm/f2 und dem 35mm/f1.4 sowie das Meike Fisheye MK 6,5mm/f2. Die Aufnahmen erfolgten teils gegen das natürliche Nachmittagssonnenlicht, abgeschattet von einer Markise und aufgehellt mit Hilfe eines Blitzgerätes von Godox in einer Softbox. Die Farbkalibierung musste bei den wechselnden Lichtverhältnissen (teils sonnig, teils bewölkt) immer wieder mit Hilfe des X-Rite ColorCheckers abgeglichen werden. Das Fujinon 35mm/f1.4 habe ich hier erstmals zusammen mit einer Blitzeinrichtung eingesetzt. Ich finde, die Bildergebnisse sprechen für sich. Auflösung und Brillianz wirken teils höher als mit dem hervorragenden 50er. Ursache hierfür ist aber der Zwischenring, der hinter das 50mm-Objektiv gesetzt wurde.

 

 

Ein Wort noch…

Meine Blogeinträge zu den Finettas wären nichts ohne die hervorragende Finetta-Monografie von Heinz Veddeler, die er 2013 als Privatdruck herausgegeben hat. Ich hatte großes Glück, die beiden letzten Exemplare direkt von Herrn Veddeler zu erwerben. Da ich über diesen Blog wiederholt Anfragen zur Bezugsmöglichkeit für das Finetta-Buch erhalten habe, will ich an dieser Stelle weitergeben, dass es bei Herrn Veddeler zur Zeit keine Neuexemplare mehr zu kaufen gibt. Ob es eine Neuauflage geben wird, ist derzeit noch nicht klar.

 

 

 

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