Druckhandwerk

Keine Experimente.

Es ist geschafft. Lange habe ich das Projekt vor mir hergeschoben, weil ich wusste, dass garantiert mehrere Fallstricke zu umgehen sein würden. Für eine  zukunftsfähige Lösung sollte die komplette Druckroutine von dem 10 Jahre alten Windows-Rechner auf neuere Hardware umziehen. Da ich immer noch unschlüssig bin, ob ich die zentrale Fotobearbeitung und den Fotodruck auf einem PC-Abkömmling mit neuem Windows 10 weiterführen werde oder ob ich, wegen der guten Erfahrungen mit dem kleinen MacBook, hierzu auf ein vergleichsweise kostenintensives Mac-System wechseln soll, habe ich mich erst einmal für eine Kosten sparende Zwischenlösung mit MacOS entschieden. Das MacBook ist in der jetzigen Ausstattung für die Größe der Fuji-Raw-Dateien schnell genug. Dazu arbeitet es über Stunden unhörbar. Eine über Thunderbold 3 angeschlossene Box erweitet das System um zusätzliche SSDs, einen LAN-Anschluss, über den der Fotodrucker angeschlossen ist, sowie zusätzliche USB-Schnittstellen und einen Ausgang zum 27-Zoll-Monitor. So ist es recht einfach, nur mit einem einzigen T3-Kabel ein Bündel an Geräten anzuschließen – und alles funktioniert.

Um wieder in Übung zu kommen, habe ich erst einmal den über Monate unbenutzten und erfreulicherweise nicht eingetrockneten (der Düsentest nach dem Einschalten ist obligat!) Fotodrucker wieder über das alte System mit Bildmaterial beschickt. Nach so langer Zeit verstricke ich mich nämlich leicht in den Feinheiten der Einstellungen beim Bedrucken verschiedener Papiere mit unterschiedlichen Formaten. Bisher habe ich mich daher weitgehend auf 3 Papiersorten konzentriert, das Epson Premium Glossy, das Canson Infinity Premium und mein Lieblingspapier, das Ilford Galerie Prestige Gold Fibre Silk, das mich an das alte Ilford Galerie Baryt-Papier erinnert. Die tollen Matt-Papiere sind noch ein nicht realisierter Traum. Dazu fehlte die ausreichende Menge an Motiven, damit sich der Wechsel zwischen Photo-Schwarz und Matt-Schwarz am Drucker lohnen würde. Das Epson-Gerät muss dazu sein Leitungssystem spülen. Außerdem erfordert das Bedrucken der dickeren Naturpapiere mit ihrer vergleichsweise rauen Oberfläche Erfahrung im Umgang.

Die Installation der neuen Druckertreiber, die beim Epson-Support herunterzuladen werden können, war auf dem Mac unproblematisch. Der Teufel steckte aber im Detail des neuen Druckertreibers. Während es im uralten WIN-Treiber nur eine Einstellung für DIN A4 gibt, bietet der neue Treiber allein 3 Möglichkeiten. Darauf muss man erst einmal kommen. Das führte zunächst dazu, dass alle meine Voreinstellungen für die verschiedenen Bild-Präsentationen (angepasst an Bild- und Rahmengrößen) auf der Längsseite nicht stimmten und die Prints dadurch nicht in die Passepartouts passten.

Erst als ich die richtige der 3 Varianten für DIN A4 im Druckertreiber gefunden hatte, passten meine alten Voreinstellungen wieder. So habe ich den Druck der Bildserie vom Museumsbesuch der Hall-Foundation in Derneburg vom Mac aus in Lightroom fortgesetzt, um im direkten Vergleich weitere Unstimmigkeiten des neuen Systems zu entdecken.

Der neue Druckertreiber für MacOS High Sierra ist anders strukturiert als der einfacher aufgebaute alte WIN-Treiber. In den zahlreichen neuen Untermenüs muss man sich erst einmal zurechtfinden. Das Einbetten der ICC-Profile für die einzelnen Papiere ist dagegen auf dem Mac weniger einfach als unter Windows {ICC-Dateien in das Verzeichnis /Library/ColorSync/Profiles kopieren; zuvor mit der Tastenkombination Commandstaste () Umschalttaste () und Punkt (.) das versteckte Verzeichnis im Finder unter Macintosh-HD sichtbar machen}. So hat man auch hier die Wahl, ob man das ICC-Profil und die Regie der Software (Lightroom, Photoshop oder Capture One) übergibt oder ob man die Farbregie durch den Epson-Treiber regeln lässt. Da ich überwiegend Prints mit Farbtinten/-Pigmenten anfertige, bevorzuge ich die erstere Variante. Learnig bei doing war dann auch das Prinzip, mich bei den Printer-Einstellungen in Capture One zurecht zu finden. Das Problem mit DIN A4 in 3 Varianten war ja nunmehr bekannt und so die Randeinstellungen rasch eledigt. Die Druckausgabe vom Mac aus C1 oder LR in 16 Bit (unter dem WIN-Treiber waren es 8 Bit) scheint nach meinen ersten Eindrücken der Farbigkeit und Farbdifferenzierung zugute zu kommen.

 


Notiz-Blog

Die kleine Bilddokumentation habe ich mit meinem Smartphone aufgenommen, deren JPGs in C1 hinsichtlich der Farbe korrigiert und für die Webseite exportiert. Damit ich ggf. in einem Jahr, falls mir wieder die Zeit fehlt, diese Einstellungen rekapitulieren kann, habe ich Bildschirmfotos von den verschiedenen Einstellungen gemacht. Im Vergleich zum Erstellen der Bilder für die Webpräsentation, was man im Wohnzimmer auf dem Sofa oder im Garten auf der Liege erledigen kann, ist das Drucken von Fotos ein echtes Handwerk, das durch den großen Drucker zudem ortsgebunden ist. Meine Sorge, dass Capture One beim Drucken schlechtere Ergebnisse liefern würde, hat sich nicht bestätigt. Auch das Handling der Druckerschnittstelle von C1, das auf den ersten Blick ungewohnt war, erscheint mir letztlich sogar etwas klarer als das Druckmenü in Lightroom. Bisher bin ich daher mit den Druckergebnissen der bearbeiteten Raw-Dateien aus Capture One Pro 20 heraus sehr zufrieden. Die Option für eine spezielle Ausgabeschärfung hatte ich anfangs übersehen. Der Regler befindet sich gleich oben im Auswahlmenü auf 25, was ich belassen habe. Anderes empfiehlt sich möglicherweise, wenn es um das Bedrucken von mattem Papier geht. Hierbei empfiehlt Roberto Casavecchia von der Zeitschrift Fine Art Printer ohnehin die Ausgabeschärfung mittels NIK Output Sharpening.

Druckeinstellungen in Lightroom

Druckeinstellungen in Capture One

 


Nachtrag

Drei Anmerkungen möchte ich anfügen. Sie haben zwar mit dem Problem des System-Umzuges nichts zu tun haben, interessieren aber bestimmt jeden, der sich mit großformatigem Fotodruck beschäftigt.

Vor 2 Tagen sah ich auf dem YouTube-Kanal „Neunzehn72“ ein Video über Eigenheiten beim Kauf der recht teuren Druckertinte.

 

Wenn man in alten einschlägigen Foreneinträgen stöbert, dann erkennt man, dass Tintenverbrauch und Resttinte in leeren Patronen ein Dauerbrenner ist, insbesondere bei den Epson-Druckern. Gestern las ich dann zu diesem Thema in der neuesten Ausgabe (01/2020) der Zeitschrift Fine Art Printer einen Leserbrief an die Redaktion von jemandem, der sich sehr viel Mühe gemacht hat. Ich zitiere wörtlich:

„Liebe Redaktion FineArtPrinter,

dass Druckerpatronen systembedingt nicht zu 100 % entleert werden, kann ich nachvollziehen. Obwohl: Mein Pro-1000 von Canon zeigt, dass dies sehr wohl geht. Dass das bei meinem alten Stylus Pro 3880 nicht so war, daran hatte ich mich beinahe schon gewöhnt. Allerdings bin ich der Sache nun auf den Grund gegangen und würde mich auch über eine Stellungnahme von Epson diesbezüglich freuen. Möglicherweise tritt dieses Problem bei den neueren Druckern nicht mehr auf. Nachfolgend eine Auflistung der Restmengen von 16 willkürlich ausgewählten, vom Drucker jeweils als „leer“ angezeigten Druckerpatronen meines bis 2018 genutzten Epson Stylus Pro 3800. Die Restmengen habe ich mit einer Injektionsspritze aus den Patronen gezogen und in Ampullen pro Patrone abgefüllt; die so geleerten Patronen sind ebenfalls noch vorhanden.

T5808 Matt Black: 32 ml, T5803 Magenta: 26 ml, T5807 Light Black: 18 ml, T5804 Yellow: 18 ml, T5809 LL Black: 18 ml, T5806 Light Magenta: 18 ml, T5803 Magenta: 17 ml, T5808 Matt Black: 17 ml, T5804 Yellow: 16 ml, T5806 Light Magenta: 15 ml, T5807 Light Black: 13 ml, T5809 LL Black: 13 ml, T5805 Light Cyan: 12 ml ,T5806 Light Magenta: 11 ml, T5807 Light Black: 11 ml, T5801 Photo Black: 10 ml.

Die durchschnittliche Restmenge, bezogen auf die von mir geprüften 16 entleerten Patronen, beträgt 16,5 ml je Patrone – dies entspricht 20,7 % des 80-Milliliter-Volumens und einem Restwert von 9,50 Euro pro Patrone! Völlig unverständlich ist mir die große Streubreite der Restmengen von min. 10 ml bis max. 32 ml, schließlich könnte man dem Chip, der auf jeder Patrone sitzt, sehr wohl eine genauere Ablaufleistung vorgeben.“

 


2. Nachtrag

In der selben Ausgabe von Fine Art Printer (01/2020) hat Roberto Casavecchia in seinem Artikel „Drucken mit dem P800: Mehr Freude am Bild“ geänderte Einstellungen für den reinen SW-Druck empfohlen.

Was die Kontrolle des SW-Modus durch den Drucker anbelangt, entspricht das auch den Empfehlungen von Jürgen Gulbins und Uwe Steinmüller in dem alten Standardwerk “ Fine Art Printing für Fotografen“.

Anders hingegen ist es mit den Einstellungen für die Druck-Qualität. Bei Casavecchia ist hier „Superfine – 1440 ppi“ angewählt, dagegen bei Gulbins „SuperPhoto – 2880 dpi“. Ich meine, in einem anderen Artikel von Gulbins gelesen zu haben, dass bei normalen Druckaufträgen der Modus „schnell“ nicht wesentlich schlechter sein soll als bei der Einstellung „feinste Details“ für echte Fine-Art-Prints. Beides muss ich für die zukünftigen Arbeitsprozesee noch klären.Bei der Gelegenheit ist mir eine weitere Abweichung aufgefallen. Diese betrifft die Einstellung der Druckauflösung in der ausgebenden Software (nicht identisch mit der PPI-Einstellung im Druckertreiber!). Im älteren Buch voin Gulbins und Steinmüller, wie auch in dem Buch von Gulbins „Lightroom Know-how“ wurde für Epson-Drucker 360 ppi empfohlen. Andernorts steht hier aber 300 dpi. Ich erinnere mich, dass als Begründung für die Ausgabeauflösung 360 ppi angeführt wurde, dass die Bildqualität bei den Epson-Druckern besser sei, wenn Augabeauflösung und Druckauflösung in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen (also Ausgeauflösung 360 ppi, Druckauflösung 1440 ppi und Verhältniszahl 4). Auch hier ist noch eine bschließende Klärung notwendig.

 


3. Nachtrag

Die Ausgabe 02/2016 der kostenfreien Zeitung Fotoespresso aus dem dpunkt-Verlag widmet dem hochauflösendem Fotodruck insgesamt 3 Artikel; eine allgemeine Einleitung von Rainer Keim mit dem Titel „Der Weg zum eigenen Ausdruck“, danach folgen zwei ausführliche Artikel von Jürgen Gulbins, „Der Epson SureColor SC-P800“ und „A2-Fine-Art-Printer: Canon iPF Pro-1000“.

Gulbins empfiehlt hinsichtlich der Druckerauflösung eine Anpassung an das jeweilige Papier. Er schreibt zur Qualitätseinstellung, ich zitiere wörtlich:

„Was die Qualitätsstufe betrifft, so reicht meiner Erfahrung nach selbst bei hochauflösenden Papieren – in der Regel Hochglanz- und Semigloss-Papiere – die zweithöchste Auflösung (Superfein – 1440 dpi statt SuperPhoto – 2880 dpi). Der Druck wird damit etwas schneller, und es wird etwas weniger Tinte verbraucht. Man sollte aber nachlesen – soweit die Information verfügbar ist –, für welche Auflösung das Farbprofil erstellt wurde, und im Zweifelsfall beide Einstellungen ausprobieren.“

Für mich ist der 2. Artikel u.a. deswegen interessant, weil hier mein alter Epson Stylus Pro 3880 mit seinem Nachfolger, dem Epson SureColor SC-P800 verglichen wird. Ich zitiere hierzu wieder die entscheidenden Abschnitte:

„Epson gibt an, dass der neue UltraChrome-HD-Tinten-satz einen erweiterten Farbraum erzielt und tieferes Schwarz und damit ein etwas höheres Dmax erreicht, insbesondere auf matten Papieren. Letzteres habe ich eigentlich nur auf matten Papieren gesehen. Der vordere Einzug wurde verbessert (ist aber nicht perfekt). Dies sind alles Dinge, die willkommen sind, aber eher evolutionär als revolutionär. Auf dem ›Epson Traditional Photo Paper‹ konnte ich einen Dmax-Schwarzwert von 2,75 messen, etwa 0,2 besser als auf dem gleichen Papier beim Pro 3880. Auf dem matten Moab ›Lasal Photo Matte‹ erhielt ich ein Dmax von 1,75. Beides sind ausgezeichnete Werte. Auf Hochglanzpapieren sind noch höhere Werte möglich. Über das neue klappbare Farb-Touch-Panel freut man sich natürlich – und über die geringfügig kräftige-ren Farben und ein tieferes Schwarz. Für Pro 3880-Besitzer gibt es aber kaum einen Grund, auf dieses neue Modell zu wechseln, so lange ihr Pro 3880 sauber arbeitet. Kauft man sich jedoch einen neuen Drucker, so würde ich den SC-P800 einem Pro 3880 aus Lagerbeständen vorziehen.

Was den von Epson reklamierten ›größeren Farbumfang‹ zwischen Stylus Pro 3880 und dem SC-P800 angeht, so sind aus meiner Sicht, abgesehen von einem etwas tieferen Schwarz, die Fortschritte eher moderat, wie man beim Vergleich der Farbprofile erkennt. Die Abbildung zeigt den Unterschied zwischen den ICC-Profilen des Papiers Epson ›Exhibition Fiber Paper‹. Die helle Hülle zeigt den Farbumfang des Papiers mit dem Pro 3880, die farbige Version den Farbumfang des Papiers mit dem SC-P800. Der Farbumfang der Drucker unterscheidet sich etwas. Dabei weist der Pro 3880 etwas mehr Umfang im grünen Bereich auf, während der SC-P800 etwas mehr bei Gelb und Rot sowie im hellen Blau und im dunklen Blau-Rot abbildet.“

Farbumfang des Epson-Papiers ›Exhibition Fiber Paper‹: Pro 3880 = weiße Hülle, SC-P800 = farbige Form.

Das Benutzerhandbuch des Epson Stylus Pro 3880 hilft nicht weiter, ebenso wenig die Suche im Forum von fineartprinter.de.

Abschließend bleiben also immer noch Details zur Druckereinstellung unklar. Gemeint sind die abweichenden Angaben bei den Druckeinstellungen im Druckertreiber zur Qualität:

  • 1440 dpi vs. 2880 dpi
  • schnell vs. feinste Details.

Eigene unsystematische Versuche (ohne Stoppuhr und Lupe) mit den verschiedenen Varianten haben mich nicht weitergebracht. Zumindest kann ich bei dem „einfachen“ Papier (Epson Premium Glossy Photo) im eher kleinen DIN A4 keine ins Auge springenden qualitativen Unterschiede erkennen. Bei großen Formaten und Druck nur in einer Richtung (feinste Details) hat sich die Druckdauer verzögert, ohne dass ich das in Prozenten quantifizieren kann. Streifenbildung war mir auch im schnellen Modus mit Druck in beiden Richtungen nicht aufgefallen. Aus Kostengründen hatte ich daher bisher für (Test-)Drucke auf dem einfachen Papier (1440 dpi und schnell) gewählt. Die hochwertigen und teuren Papiere sind mir für Versuche zu kostbar, so dass ich hier zumeist Adobe-RGB2880 dpi und feinste Detalis eingestellt habe.

 

 

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