Fotoapparate nicht erlaubt

Ausnahme: Mobiltelefone. – So steht es in den Besucherinfos zu den Einlassbestimmungen anlässlich des Konzertes der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne Berlin. Aber warum eigentlich?

Der Titel für diesen Blogeintrag hätte auch lauten können: Berliner Philharmoniker im Regen; Konzert in der Waldbühne am 24.06.2018 fällt aber nicht ins Wasser.

Eine weitere Überschrift könnte sein: Die Berliner lassen sich in der Waldbühne nicht von Nässe abschrecken – wir aber auch nicht.

Der Wetterbericht hatte für den Abend eine Regenwahrscheinlichkeit von 50% vorausgesagt, ein Temperaturmaximum von 18 Grad und ein Minimum von 13 Grad: alles in allem gute Aussichten für ein philharmonisches Konzert im Freien. Warme und regendichte Jacke bzw. dicker Pullover waren angesagt, dazu für den einen eine gefütterte Hose oder für den anderen eine warme, wasserabhaltende Decke über die Beine und natürlich ein Regenschirm oder Regenponcho.

Die Berliner Zeitung schreibt am darauf folgenden Tag in der Rubrik Kultur: „Abschiedskonzert von Simon Rattle – Wir sehen uns wieder“. RBB Kultur formuliert begeisterter noch am selben Abend: „Umjubeltes Abschiedskonzert in der Waldbühne“. Der Tagesspiegel ist am 25.06.2018 in seinem Artikel ausführlicher auf den Abend eingegangen: „Bye, bye, Sir Simon“. In der Tat habe ich einen Augenblick gezweifelt (wie in dem Artikel angesprochen), ob die Nachtigall in Respighis „Pini di Roma“ aus der Bühne her ruft oder aus dem umgebenden Wald, weil ich von einem früheren Konzert tatsächlich noch den abendlichen Gesang einer Amsel aus dem Wald, der die philharmonische Musik damals übertönte, gut in Erinnerung hatte. Neben anderen lesenswerten Artikeln im Tagesspiegel hat mich die kleine Glosse „Wenn sich Feierlaune und Ordnungswahn paaren“ am meisten angesprochen. Gibt sie doch die gleichen Gedanken wieder, die mir durch den Kopf gingen, als wir im Regen vor den Ordnungshütern am Eingang warteten – die aber dann tatsächlich an diesem Abend freundlicher, großzügiger und hilfsbereiter waren als ich es erwartet hatte.

 

Im Regen

George Gershwin

Cuban Overture

Gabriel Fauré

Pavane

Joseph Canteloube

Aus den Chants d’Auvergne: »Malurous qu’o uno fenno«,  »Baïlèro«, »Lo Fiolairé«, »Brezairola«, » La Delaïssado«, »Lou Coucut«, »Uno jionto postouro«

 

Nach dem  Regen

Aram Chatschaturjan

  1. Gayaneh-Suite Nr. 3: Nr. 5 Säbeltanz
  2. Gayaneh-Suite Nr. 3: Nr. 2 Tanz der jungen Kurden
  3. Gayaneh-Suite Nr. 1: Nr. 7 Gayanehs Adagio
  4. Gayaneh-Suite Nr. 1: Nr. 8 Lesginka

Ottorino Respighi

Pini di Roma

  1. I pini di Villa Borghese (Die Pinien der Villa Borghese)
  2. Pini presso una catacomba (Pinien bei einer Katakombe)
  3. I pini del Gianicolo (Die Pinien auf dem Ianiculum)
  4. I pini della Via Appia (Die Pinien der Via Appia)

 

Gab es musikalisch etwas Neues?

Für mich schon. Joseph Canteloube, auch Marie-Joseph Canteloube de Malaret, war mir unbekannt. Die Lieder auf volkstümlicher Grundlage wirken wie eine kleine Entdeckung. Auf der Webseite digitalconcerthall.com steht zu lesen: „Es erklingen u. a. die Chants d’Auvergne von Joseph Canteloube, jene Liedsammlung, in der der französische Komponist und Volksmusikforscher die Gesänge der Auvergne für Gesangsstimme und Orchester bearbeitet hat. Ihr pastoraler, von den Schönheiten der Natur inspirierte Ton macht diese Lieder, die Magdalena Kožená vorträgt, zu einem idealen Programmpunkt für die sommerliche Naturkulisse der Waldbühne“. – Das kühle Regenwetter war ja nicht vorauszusehen.

Von Ottorini Respighi hört man zumeist die Orchestersuite Gli uccelli (dt. Die Vögel; 1928). Nein, nicht diese Version, sondern diese hier. Mit der hier aufgeführten sinfonischen Dichtung „Pini di Romana“ in vier Sätzen, die ich in Gänze hier auch erstmals gehört hatte, verband Respighi die folgenden programmatischen, heute befremdlich wirkenden Ideen: „1.) Die Pinien der Villa Borghese. Zwischen den Pinien der Villa Borghese spielen die Kinder. Sie tanzen Ringelreihen, führen Militärmärsche und Schlachten auf und berauschen sich an ihrem eigenen Geschrei wie Schwalben am Abend; dann laufen sie davon. Unvermutet wechselt die Szene. 2.) Pinien bei einer Katakombe. Im Schatten der Pinien rings um den Eingang einerKatakombe, aus deren Tiefe ein wehmütiger Gesang zu uns dringt. Er erhebt sich zu feierlicher Hymne und verklingt dann wieder. 3.) Die Pinien auf dem Janiculum. Ein Zittern geht durch die Luft: in klarer Vollmondnacht wiegen sanft ihre Wipfel die Pinien des Janiculums. In den Zweigen singt eine Nachtigall. 4.) Die Pinien der Via Appia. Morgennebel über der Via Appia: Einsame Pinien stehen Wacht in der tragischen Landschaft der römischen Campagna. Undeutlich, aber immer wieder, glaubt man den Rhythmus zahlloser Schritte zu hören. Der Dichter sieht im Geist uralten Ruhm wieder aufleben: Unter dem Geschmetter der Buccinen naht ein Konsul mit seinem Heer, um im Glanze der neuen Sonne zur Via Sacra und zum Triumph aufs Kapitol zu ziehen“.

SWR2 überschreibt einen Artikel zum Musikstück der Woche (Pini di Roma) mit „Landschaftsbilder zum Hören„. Einer der ersten Kommentare des Abends lautete dann auch „das hörte sich an wie Filmmusik“. In der Tat wurde der 2. Satz, die „Pinien bei einer Katakombe„, in dem US-amerikanischen Disney-Trickfilm „Fantasia 2000“ zur Filmmusik (Trailer). Auf YouTube findet man einen Ausschnitt zu der Szene mit den Buckelwalen.

Überlässt man sich jedoch der Interpretation von Rattle und den Philharmonikern, so wird die Instrumentalisierungskunst und der Farbenreichtum in Respighis Musik deutlich, verbunden mit der Fähigkeit große und lange Spannungsbögen aufzubauen und bis zum pompösen Ende durchzuhalten.

Wer Interesse an der Orchesterpartitur hat, der kann sie kostenfrei von IMSLP.org runterladen oder findet sie hier. Die RBB-Mediathek ermöglicht den Zugriff auf den Konzertmitschnitt, der am gleichen Abend live übertragen wurde.

 

Smartphone-Fotografie

Gerade die neue Generation der digitalen Kameras, die aufgrund ihrer hohen Lichtempfindlichkeit prädestiniert ist für Available-Light-Fotografie und deren elektronische Verschlusstechnik leiser ist als jede M-Leica, wäre hierfür hervorragend geeignet.

So blieben nur einige stereotype Weitwinkel-Aufnahmen aus der Ferne mit dem iPhone. Dieses ist zwar von der Auflösung ganz passabel, insbesondere, wenn man die JPGs in SW-Bilder konvertiert; hier in Silver Efex Pro mit der  Variante „hohe Struktur, weich“, die dem Schärfe-Eindruck sehr zugute kommt. Eine gewisse Low-Key-Anmutung soll dem Wetter Rechnung tragen.

Die „verbogene“ Farbgebung des Smartphones ist aber letztlich in Lightroom kaum zu beherrschen; ebenso wenig wie die Tonwertabbrüche, die im SW-Modus praktisch garnicht vorkommen. Die zusätzliche Bearbeitung in Color Efex Pro 4 mit der Option „Tonal Contrast“ kann den Bildern jedoch eine zusätzliche feine Differenzierung geben. Auf eine bewusste Farbverfremdung wollte ich hingegen verzichten, um aufzuzeigen, dass bunte Regenkleidung auch einen gewissen optischen Reiz haben kann.

 

 

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