Tiere sind auch nur Menschen?

Das ist eine rhetorische Frage.

Gibt man die Aussage (ohne Fragezeichen) als Suche im Browser ein, dann erhält man als Suchergebnis eine Wiederholung dieser Aussage in zahlreichen Überschriften. Als erstes wird ein Buch als witzige Geschenkidee beworben, was sich dann als Schwarz-Weiß-Cartoon mit „Humor und Spaß an Wortspielereien“ herausstellt. Als zweites Suchergebnis wird einem eine Reihe von ganz unterschiedlichen Bildern unter diesem Motto präsentiert. Das dritte Suchergebnis ergibt wiederum ein Buch mit diesem Titel und dem Zusatz „wahre, aber auch nicht ganz ernst zunehmende Viechereien“. Als Viertes ist eine Reihe von Videos zu sehen; eingeleitet von einer Reportage aus der ARD-Mediathek mit dem Untertitel „Modische Accessoires und duftendes Shampoo“. Dann folgt ein Artikel von Zeit Online über Vegetarismus mit dem Untertitel „Wer darf wen töten und warum?“. Im folgenden Suchergebnis, einem Artikel von Spiegel Online wird es philosophisch: die Vorstellung eines Buches von Eva Meijer mit dem Titel „Die Sprachen der Tiere“. Ich möchte diese Auflistung der Suchergebnise nicht ins Unendliche fortführen. Sie wird aber bezüglich zoologischer Einrichtungen durchaus noch interessant mit einem kurzen Pro und Contra von Bayern 1 zwischen einem Zoodirekter und einem PETA-Vertreter unter dem Titel „Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei“.

„Tiere besitzen Rechte und kommunizieren nicht nur. Sie sprechen miteinander – und mit uns. Es ist also an uns, ihnen zuzuhören. Denn was sie uns zu sagen haben ist hochinteressant!“ So lautet der Schlussabsatz in dem Spiegelartikel über das Buch von Eva Meijer. Das könnte eine Überleitung zu den Fotografien dieses Blogeintrages sein.

Zumindest bei den ersten Aufnahmen meiner SW-Bilder-Reihe aus dem Zoo Hannover könnte man meinen, in menschliche Gesichter zu schauen. Die akustische Kommunikation der Tiere, auch verschiedene Verhaltensmuster können von jedem aufmerksamen Beobachter im Zoo nachvollzogen werden. Berührender wird es aber erst beim direkten Blick in die Gesichter.

Sind sie aber möglicherweise die besseren Menschen? Das mag man in der heutigen Zeit, wo die Entwicklung der Menschheit scheinbar wieder rückwärts gewandt ist, nicht ganz von der Hand weisen. Ziellose Gewalt, flächenhafte Zerstörung, Ausrottung zahlreicher Mit-Lebewesen, unstillbare und rücksichtslose Gier sind weniger tierische Eigenschaften als die der „Krone der Schöpfung“. Davon sollen die beiden einzigen farbigen Fotografien von dem Zoobesuch zeugen. Ich habe sie gleich hinter dem „Afi Mountain“ aufgenommen.

Das Stilmittel der SW-Verfremdung habe ich bewusst gewählt, um einen weniger dokumentarischen Eindruck zu erzeugen. Daher finde ich die Rahmen um die Tier-Porträts auch konsequent (vielleicht sogar in der  Assoziation zur Sterbe-Anzeige einer Tageszeitung). Alle Aufnahmen sind mit der Fujifilm X-T2 und dem Fujinon 50-140mm/f2.8 entstanden. Das Objektiv wurde nahezu ausschließlich offenblendig benutzt. Da selbst im Zoo der Abstand zu den Tieren so groß ist, dass die Brennweite von 210 mm (bezogen auf das Kleinbildformat) zu gering für formatfüllende Porträts ist, habe ich von den JPGs Ausschnitte z.T. stark in Lightroom Classic CC vergrößert und in einem Vintage-Stil mit Silver-Efex-Pro entwickelt. Die Freistellung der detailreichen Gesichter durch Bokeh wurde mit einem Filmkorn in den Unschärfebereichen ergänzt, um die Unruhe des Hintergrundes, die bei der Ausschnittsvergößerung entstanden ist, abzumildern.

Eine Inspiration für diese kleine Reihe habe ich aus der eindrucksvollen Bildserie mit dem Titel „Tierische Verwandte“ von Rolf Walther gewonnen – ohne die herausragende Qualität seiner Fine-Art-Fotografien zu erreichen. Ich habe seine Aufnahmeserie wohl erstmals in der Zeitschrift „Fine-Art-Printer“ und im „Stern“ gesehen. Die Anerkennung im „Black And White Spider Award“ (sehenswerte Webseite zur SW-Fotografie) ist sicherlich gerechtfertigt.

 

Anmerkung: Um eine möglichst hohe Detailzeichnung in den Primatengesichtern zu erhalten, habe ich die SW-Aufnahmen, die als TIFF-Datei in Silver-Efex generiert werden, in Lightroom mit einem geringeren Kompressionsgrad als zuletzt üblich verkleinert. Dies führt zu den längeren Ladezeiten – zumindest bis die Bilder erstmals in den Browser-Cache geladen sind.

 

 

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