Bei den Kranichen

Weitere Schwarz-Weiß-Experimente.

“Color attracts my eye, but black and white holds my attention.”
Cole Thompson –

Ursprünglich hatte ich mir für die freien Stunden dieses Wochenendes ein anderes fotografisches Projekt vorgenommen. Ein Virusinfekt legte mich jedoch etwas lahm. Von daher musste ich umdisponieren. In Anlehnung an das voran gesetzte Zitat, das nach meinen letzten Lektüren und insbesondere den regelmäßigen Erkundungen auf der Webseite Black and White Spider Awards auf fruchtbaren Boden gestoßen ist, habe ich in meinen Archiven gestöbert, um Material für „Dunkelkammer-Übungen“ in Schwarz-Weiß zu finden. Dabei bin ich auf Fotografien zur abendlichen Kranichrast bei Zingst vom September 2006 gestoßen, die ich damals mit einem Leihobjektiv aufgenommen hatte.

Nachdem es bei dem letzten Blogbeitrag vorrangig um Reduktion der Bildinhalte ging und die SW-Entwicklung sekundär war, standen jetzt Versuche unterschiedlicher SW-Umwandlungen der originalen RAW-Dateien im Vordergrund. Auch bei diesen Dateien zeigte sich, dass ich bei der Konversion in Capture One besser voran kam als unter Lightroom. Nicht selten entsteht nach der ersten RAW-Entwicklung bereits eine Idee für die Bildgebung in Schwarz-Weiß, die sich zum großen Teil auch in diesem RAW-Entwickler umsetzen lassen und bei denen die Regler für die Farbempfindlichkeit (entsprechend den analogen Farb-Filtern) eine bedeutenden Rolle zukommt. Bei der Festlegung des endgültigen Bildstiles, der möglichst wenig von einem digitalen Einerlei haben soll, greife ich letztlich doch immer wieder auf Silver Efex Pro zurück. Hier bin ich mit den Voreinstellungen vertraut und finde recht schnell die Variante, die meiner Idee vom Bild am besten entspricht, um dann entweder in diesem Programm oder wieder in Capture One an den Feinschliff zu gehen. Aus diesem Grund sind in dieser Serie sehr unterschiedliche Entwicklungen bzw. Stile vertreten. Ziel war es nicht, eine einheitliche Fotoreportage anzufertigen. Dazu hätte man sicher besser die schöne Farbzeichnung des verwendeten Objektives in der Abendsonne mit den teils gold leuchtenden Haarlichtern als Grundlage genommen. Das verbindende Stilelement aller Bilder ist der kräftige schwarze Rahmen (in Silver Efex die Variante 3), der bei den gröberen kornreichen oder kontrastreichen Bildern besser harmoniert als bei den homogen durchgezeichneten Aufnahmen.

Einige der Kranich-Aufnahmen verleiteten zu einer Silhuetten-Akzentuierung und Kontrastanhebung, die Landschaftsaufnahmen profitieren von einer Betonung des Dunstes, einer gröberen Kornstruktur und auch einer etwas inhomogenen Grauzeichnung. Bei den Personenaufnahmen dagegen waren alle diese Stilmittel wenig brauchbar. Bis auf eine Ausnahme sollte ein weitgehend einheitliche Wirkung entstehen, wobei hier allerdings schon verschiedene „Wege nach Rom“ gegangen werden mussten. Nachdem ich gemerkt hatte, dass ich bei den Kranichen, trotz der 300 mm Brennweite (bzw. im APSC-Format 450 mm-Äquivalent) nicht so richtig zum Zuge kam (da leider viel weiter weg als vorher erhofft), erweckte die gespannte Aufmerksamkeit aller umstehenden Beobachter mein Interesse. Diese Bild-Präesentation ist vielleicht nicht ganz konform nach DSGVO. Aber wen soll ich jetzt nach 12 Jahren fragen und unterschreiben lassen? Sollte sich also jemand von diesen Aufnahmen gestört fühlen, so kann er sich gerne bei mir melden. Dann würde ich selbstverständlich seine Aufnahme aus diesem Blogbeitrag herausnehmen.

In Erinnerung an Thomas

Mit Thomas war ich erstmals Ende der 70ger Jahre ins Geschäft gekommen. Bei meinem damaligen Wechsel in das Nikon-Lager hatte er mir zuerst meine Minolta XG-1 abgekauft und später, nachdem er schnell Freude an dem neuen Hobby gewonnen hatte, die Minolta XD-7. Seine fotografische Entwicklung nahm danach eine derartige Entwicklung, dass er mich in den nächsten Jahren weit „überholt“ und nebenberuflich die Fotografie mehr oder weniger zu einem 2. Standbein gemacht hatte. Er war mittlerweile auch längst zum Nikon-System gewechselt und besaß hier eine Expertise. In  größeren Abständen trafen wir uns immer wieder zum plaudernden Gedankenaustausch. Als er im September 2006 erfuhr, dass wir zur Kranichrast nach Zingst fahren wollten, bot er mir spontan an, sein 300er mitzunehmen und meinte, „für Langzeitaufnahmen am Strand gebe ich Dir noch das alte Gitzo mit; Du wirst sehen, Langzeitfotgrafie macht Spaß“. Das Nikon 300mm f/4 AF war damals für mich ungewohnt. Schnell konnten mich aber die Ergebnisse dieses Klassikers überzeugen. Dass ich mich heute intensiv mit Langzeitbelichtungen beschäftige, hat sicher auch ihren Ursprung in Thomas damaligen Anregung.- Leider verstarb Thomas vor wenigen Jahren viel zu früh.

Die Kraniche ziehen wieder in den Norden

Dem NABU zufolge sind die ersten Kraniche aktuell bereits wieder auf ihrem Frühjahrszug in ihre Sommerquartiere. Der Kranichschutz Deutschland gibt ausführliche Informationen. Das Ostseebad Zingst gibt hier Auskunft über die lokalen Kranichplätze. Unter anderem auch über die Kraniche wird fotografisch mit einer eigenen Note in einer lesenswerten Blog-Reportage Blickgewinkelt; von einer Autorin, die u.a. auch den Berlin-Reiseführer Eskapaden in und um Berlin geschrieben hat.

 

P.S.: Der Reiseführer Eskapaden im Harz, der von einer Goslarerin geschrieben wurde, liegt seit einigen Tagen bei meiner Frau auf dem Bücherstapel und sie schildert begeistert, was wir noch alles im Harz (unserer alten Heimat) unternehmen können…

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.