Ein Schritt zurück, um voranzukommen

Stein und Zeit. –

Kann man immer wieder ein und denselben Stein fotografieren? Ich kann das. Wenn man mit einer bekennenden Steinesammlerin verheiratet ist, dann muss man sich eine entsprechende Beschäftigung für lange Strandspaziergänge suchen. So auch in der Blauen Stunde an einem Abend im September 2006. Der Strand war nicht allzu fern von unserem Ferienhaus entfernt. Das von Thomas ausgeliehene (schwere Alu-) Stativ von GITZO musste ich nicht sehr weit tragen bis mir einige Motive für meine ersten Langzeit-Versuche auffielen. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal über Graufilter und ihre Möglichkeiten nachgedacht hatte, war also nur eine rudimenätere Form der Langzeitbelichtung möglich. So habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und verschiedene Bewegungsmomente eingefangen und in kleinen Serien gegenüber gestellt. Die Belichtungszeiten betrugen hierbei 3 Sekunden und nicht 30 Sekunden oder 30 Minuten, was bildmäßig zu gänzlich anderen Effekten führt. Der Stein (oder Polder) ist der zentrale ruhende Pol. Die Umgebung des Wassers bietet dagegen, als Ausdruck der Zeit, immer andere Farben und Strukturen. Dies gibt es so, in der „richtigen“ Langzeitfotografie, bei Belichtungszeiten von weit über 1/2 Minute nicht, weil die sich bewegenden Strukturen mehr oder weniger flächig verschwimmen oder sich sogar ganz auflösen bzw. verschwinden. – Am Ende des Spazierganges hatten wir beide erwartungsgemäß nasse Füße; ich dagegen aber den leichteren Rucksack.

 

Stativ 1

 

Stativ 2

 

Stativ 3

 

Neue Ideen für die Zukunft?

Seit einigen Monaten liegt bereits das Buch von Uwe Statz mit dem Titel „Filterfotografie“ aus der Reihe Edition ProfiFoto vom mitp-Verlag auf dem Büchertisch. Die kleine Bilderserie über Eis-Strukturen an der Beuster hat mich nun veranlasst, das Buch endlich durchzugehen. Ich kann die durchweg positiven Kritiken hierzu beim Versandhändler durchweg unterstreichen. Auf jeden Fall habe ich mich auf die Suche gemacht nach den fotografischen Möglichkeiten, die ND-Filter in der Langzeit-Fotografie bieten, welche Firmen es gibt, die Grau-Filter herstellen bzw. anbieten und welche Vor- und Nachteile mit den verschiedenen Systemen verbunden sind. Im folgenden liste ich einige Fundstücke auf.

 

Langzeit-Fotografie / Fine-Art

 

Hersteller-Links

 

Entscheidungshilfen für Filterkauf?

 

Nachtrag:

  1. „Stativ 1“ habe ich in der ursprünglichen Entwicklung von 2006 belassen, die mit dem damaligen Photoshop entstanden ist. Die einzige fremde Hilfe bei der Aufarbeitung der Nikon-RAW-Dateien war ein Schärfeskript von Roberto Casavecchia, das immer noch von der Webseite der Zeitschrift Fine Art Printer heruntergeladen werden kann.
  2. „Stativ 2“ und „Stativ 3“ sind heutige Entwicklungen der alten RAW-Dateien mit Capture One 12. Bei der SW-Konversion kam Silver Efex Pro 2 zum Einsatz; das Beitragsbild in einer hellen, leichteren Sepia-Variante, „Stativ 2“ in der Version „Sepia – dunkel“. Gerade diese Voreinstellung verdunkelt aber das Bild und insbesondere die Schattenpartien dermaßen, dass sie ohne entsprechende Korrekturen in einem tiefen, undifferenzierten Schwarz absaufen.
  3. Die Auswahl der Fotografen-Links geschah durchaus unter subjektiven Aspekten, aber beileibe nicht willkürlich. Als Anhänger der Schwarz-Weiß-Fotografie interessieren mich die „natürlichen“, farbig belassenen Landschaftsaufnahmen mit fließenden Bächen weniger. Nicht, dass ich nicht stolz wäre, wenn mir so eine Aufnahme gelänge. Fast immer spüre ich aber den Drang, einmal zu schauen, wie sich das Bild in SW macht und wie weit sich die Aufnahme stilisieren lässt.
  4. Was oder wer hat mich in den Suchergebnissen besonders beeindruckt? Dies ist zum einen ein Fotograf, den ich in der obigen Liste nicht aufgeführt habe, Alexey Titarenko. Er steht deswegen außerhalb des Kreises, weil seine fotografischen Techniken und Bildinhalte gänzlich aus dem Rahmen fallen. Ich denke, dass Ted Forbes zu Recht 2 Videos über Titarenko veröffentlicht hat, das eine ist ein Interview, in dem Titarenko über seine Biographie und Fotografie erzählt. Das 2. Video bespricht ein leider nicht mehr zu erschwinglichen Preisen erhältliches Buch aus dem Jahre 2015 mit dem Titel „The City Is a Novel„. Der zweite Fotograf, der für mich bemerkenswert erscheint, weil er in einigen Arbeiten weniger Landschaftsfotograf ist, sondern, Menschen als wesentlichen Bildinhalt teils gesichtslos, schemenhaft, dennoch wiederum sehr präsent in seinen Bildern verschwimmen lässt, ist Cole Thompson. Hier der Link zur Entstehungsgeschichte des „Engel Gabriel“ und zu dem Video „The ghosts of Auschwitz-Birkenau“ – mit der Musik von Steve Reich „Different Trains“; hier die Fassung von „The ghosts of Auschwitz-Birkenau“ mit einer Klavierbegleitung von Dax Johnson. Letztere ist musikalisch gefälliger, weniger aufrührend und provokant, präsentiert darüber hinaus mehr Bilder aus der Serie.

 

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