Finette Nr. 4665

Aus der Sammlung K mit der Katalog-Nr. FIN0150.

Mit den folgenden Eigenschaften wurde dieses Exemplar katalogisiert. Typ: Finette IA; Hersteller: Sarabèr, Goslar; Produktionsjahre: 1947-48; Objektiv: Finar f=4,3; Verschluss: M. B. (fest); Besonderheiten: Fixfocus-Objektiv mit verstellbarer Farbcode-Rastblende, Exemplar OHNE „Achromat“ Gravur auf dem Objektiv, ohne Drahtauslöser-Anschluss. Sehr seltenes Exemplar noch mit Klickverschluß auf der Rückseite statt Schraubverschluss am Kameraboden!

Seit ein paar Tagen ist diese Finette nun als Folge einer Nachlass-Auflösung in meiner Sammlung. Mit einer gewissen Ehrfurcht habe ich die Kamera in die Hand genommen. Ist es doch ein Exemplar aus der ersten Serie, das wirklich schwer zu finden ist – nicht zuletzt, weil aufgrund ihrer „Fragilität“ nur wenige Exemplare die Jahrzehnte überstanden haben. So tut es der Sammlerfreude auch keinen Abbruch, dass sich Abschnitte der Belederung am Gehäuse etwas gelöst haben. Der Verschluss ist „fest“, d.h. er klemmt. Teile des Verschluss-Mechanismus sind durch ein kräftiges Gewebe-Klebeband zusammengehalten. Der noch seltenere Click-Verschluss will tatsächlich beherzt bedient werden. Man muss eine gewisse Hemmung überwinden, die teils flexible, dünne hintere Kamerawand einzudrücken, um den Verschluss auszurasten und das untere Gehäuseteil abzuziehen. So bekommt man einen guten Eindruck von der Kamerabauweise in den ersten Gründerjahren der deutschen Nachkriegszeit. Positiv in unserer kommerzialisierten Sprache könnte man es so formulieren: „man gewinnt Hochachtung für die moderne, zeitgemäße Leichtbauweise“.

In der Typenübersicht schreibt Heinz Veddeler zur Finette 1A (ich zitiere wörtlich aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013): Festblende, Fixfocus, FENAR f=4,3 cm bei sehr frühen Exemplaren. Danach FINAR f=4,3. Click-Rückwandverschluss. Innengehäuse vorn und an Filmspule ohne Verstärkung. Zeitenknopf M<>T, Sucherein- und Ausblick glatt. Objektivrückseite mit eckiger Verbindung, Auslöser mit Innengewinde, sehr frühe Exemplare haben keinen Drahtauslöseranschluss. Finish Chrom matt, keine Bodengravur. Höchste bekannte Seriennummer 005613.

 

Die Ankündigung der Finette 1948

Erste Ankündigungen einer Kamera mit dem Namen Finette findet man bereits im Sommer 1948. Im Vorläufer der Zeitschrift „Photo-Magazin“ war zu lesen: „Infolge der augenblicklichen Wirtschaftssituation können leider von den Firmen die Bedürfnisse des deutschen Marktes meist nicht voll befriedigt werden. Wir bitten daher unsere Leser, von Bestellungen und Anfragen bei den Herstellerfirmen abzusehen und sich ausschließlich an Ihren Händler zu wenden“. Sarabèr ließ seinerseits dazu verlauten: „Es kam uns bei der Konstruktion unserer Finette vor allem darauf an, eine unkompliziert arbeitende, aber doch zugleich leistungsfähige Kleinbildkamera für den Laien zu schaffen“.

 

Das Ende der Finette 1949

Noch ehe die Werbe- und Verkaufskampagne für die Finette richtig anlief wurde die Produktion wenige Monate später eingestellt. Grund hierfür war ein namensrechtlicher Streit. Die Ähnlichkeit zum Produktnamen „Kinette“ einer anderen Firma war zu groß. Dieses hatte Sarabèr durch eine Anzeige in der Fotopost vom März 1949 mitgeteilt und kurz danach die neue Bezeichnung „Finetta“ für die weitere Produktion seiner Kleinbild-Kameras bekannt gegeben.

Bild- und Textmaterial aus dem Buch Finetta, Peter Sarabèr, Kamerawerk Goslar 1948-1956, Privatdruck Rhauderdehn 2013 – mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Veddeler.

 

Eine heutige Finette

Kann man eine alte Kamera, die die Jahrzehnte leidlich überstanden hat, ehrenvoller präsentieren als auf einem leuchtend roten weichen Samtkissen?

Seit längerem habe ich einmal wieder das Blitzsystem der Fa. Godox für meine Aufnahmen herangezogen. Ich habe es mir recht einfach gemacht und die Aufnahmen der Finette im TTL-Autmatik-Modus angefertigt. Die Bedienung und Zuverlässigkeit des Godox-Blitzsystems ist vorbildlich. Das Blitz-Set bestand aus einem X1T-F, einem TT350-F und einem TT685-F. Geladene Akkus wurden eingelegt, alle Geräte eingeschaltet und auf dem gleichen Kanal synchronisiert. Alles klappte auf Anhieb. An der X-T2 wurden die Automatikeinstellungen belassen (ISO und Belichtungszeit) und dann im Menü der TTL-Modus aktiviert. Variationen der Belichtung erfolgten durch veränderte Positionen der Blitzgeräte und durch Belichtungskorrektur im TTL-Modus. Der größere Blitz beleuchtete eine Softbox, der kleinere einen Beauty-Dish, der ohne Grid und ohne Diffusor eingesetzt wurde. Das Fujinon XF50mm F2 R WR wurde ausschließlich im manuellen Modus über den angewinkelten LCD-Monitor per Fokus-Peaking und elektronischer Lupe fokussiert. Für die Nahaufnahmen habe ich einen Zwischenring, den Fujifilm MCEX-16, ergänzt. Über eine der drei Voreinstellungen „Auto“ wurde der automatische ISO-Bereich auf 200-400 begrenzt, so dass dadurch die Automatik bei allen Aufnahmen ISO 400 gewählt hatte. Jedenfalls hat alles viel problemloser funktioniert als früher mit dem rein manuellen Modus. In Capture One Pro 12 wurden dann die JPGs über den Color Checker in den Farben kalibriert und nach Gusto noch leicht ausgearbeitet. Selbst bei der Entwicklung dieser JPG-Aufnahmen bestätigten sich wiederum die Vorzüge von Capture One gegenüber Lightroom, aber auch gegenüber Exposure. Das Beitragsbild ist eine SW-Entwicklung ausschließlich mit den Mitteln von Capture One. Alle übrigen SW-Bilder sind in Silver Efex Pro entstanden, wobei 2 Entwicklungsmodi verwendet wurden: 1. „hohe Kontraste – weich“ für die Detailaufnahmen und 2. „vollständiges Spektrum invertiert“ für die Übersichtsaufnahmen. Um die eigene Note der Detailaufnahmen zu betonen, habe ich in Capture One zuletzt eine leichte Vignette sowie eine feine Kornstruktur hinzugefügt.

 

 

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