Objektiv-Missbrauch

Fujilux 35 mm –

Das einzige Fujinon-Objektiv aus der XF-Reihe, welches bei mir seit längerem unbenutzt in der Tasche liegt ist, ist das Fujinon XF35mmF2 WR. Keine Frage, es ist klein, leicht, handlich, sehr schnell und leise im Autofokus. Die Abbildungsqualität ist hoch, wenn auch mit einigen automatischen von der Software durchgeführten Korrekturen. Das Fujinon XF35mm F1.4 R dagegen ist älter, größer, deutlicher vernehmbar und etwas langsamer im Autofokus und nicht „weather resistant“. Die einschlägigen Tests, die ich früher regelmäßig las, hatten die optische Qualität der kleinen neuen Version bestätigt. Beim Neueinstieg in das Fuji-System war es daher keine Frage, welches 35er ich nehmen sollte. Dennoch bin ich nicht so richtig warm damit geworden. Ich finde es offenblendig im Nahbereich etwas weich und mir fehlt die größere offene Blende.

Mit dem nunmehr existierenden Gebrauchtmarkt für Fujinon-Objektive ist das finanzielle Risiko kleiner geworden (wenn man das Glück hat, an Verkäufer zu kommen, die pfleglich mit ihrer Ausrüstung umgegangen sind). So war es mir gelungen, kurz nach dem 23er jetzt auch ein 35er Fujinon mit der offenen Blende von 1,4 in einwandfreiem Zustand zu erwerben. Jetzt habe ich die Qual der Wahl zwischen dem „light and tiny“ der 2,0er Objektive oder der „richtigen“ Masse der 1,4er Versionen. Wenn man die Kommentare zu den jeweiligen Tests auf OpticalLimits (früher Photozone) oder Imaging-Resource liest, kommt man bezüglich der 35er ins Zweifeln an der Bewertung von Qualität bei Objektiven oder aber an der Fertigungskonstanz von Fuji.

Hier die Links zu den Tests der beiden Objektiven:

Es starteten also die üblichen Missbrauchs-Knipsereien von all und jedem; zunächst im Nahbereich, mit möglichst großer Blende und bei zunehmender Dunkelheit. Meine bisherigen Ergebnisse an der X-Pro2: der Autofokus sitzt, sofort und hörbar, aber immer treffsicher, auch bei sehr wenig Licht; wunderbares Bokeh! Passt größenmäßig gut zur X-Pro2.

Die SW-Konversion geschah unter Silver Efex mit dem Vintage-Preset „Sepia weich“. Da mir die Grundeinstellung doch zu softig war, habe ich mit den entsprechenden Feinreglern insbesondere der Kontraste und Strukturen entgegen gewirkt. Die Grundentwicklung aller RAW-Dateien erfolgte in C1 mit einer Anhebung von Klarheit, Struktur, Schärfung sowie der Kontraste in der RGB-Kurve.

 

 

 

Warum lautet der Beitragstitel „Objektiv-Missbrauch“?

Selbst wenn es mir Spaß macht, durch Isolation und Abstraktion Dingen des Alltages ein anderes Gesicht als das Gewohnte zu geben, bleiben solche Motive letztlich technische oder technokratische Spielereien.

„Richtige“ Fotografie (u.a. mit dem 35er an einer X-Pro2) geht so wie im Beispiel von Geoffroy Schied, dem in meinen Augen eine traumhafte, aktive Verbindung von Musik und Fotografie gelingt. Als allererste Fotoserie von ihm sah ich seine Aufnahmen von Daniil Trifonov anlässlich des Fernsehfilmes über die Chopin-Aufführung von Trifonow und Mikhail Pletnev mit dem Mahler Chamber Orchestra (unbedingt sehens- und hörenswert). Neben anderen Beiträgen auf seinem Blog „35 mm of Music“ gefiel mir die Reportage über den Chinabesuch des Lucerne Festival Orchestras in Shanghai mit Riccardo Chailly.

 

Warum jetzt das 35mm/f1.4?

Eines meiner Argumente habe ich bereits oben genannt. Der Gebrauchtmarkt für Fujinon-Objektive lässt Kauf und Verkauf kalkulierbar erscheinen, so dass der finanzielle Verlust überschaubar (klein) bleibt.

 

Warum nicht das Mitakon 35mm/f0.95?

Der Preis für dieses vielfach beschriebene Objektiv (u.a. von Jonas Rask, Steffen Hampe, Phil Harbord und Kjetil Kien Madsen) ist in den letzten Jahren gestiegen und die Verfügbarkeit schlechter geworden. Darüber hinaus handelt es sich um ein Objektiv, dass ausschließlich manuell fokussiert werden kann.

 

Warum nicht auf das Fujinon XF33mm/f1.0 warten?

Um wieder ein riesiges Schwergewicht in der Tasche herumzuschleppen, dass spontane Fotografie „erschlägt“ und ein Riesenloch in der Geldbörse hinterlässt?  Für mich indiskutabel.

Hier einige Infos und Bilder aus der Gerüchteküche:

 

 

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