Digitalisierungsfrust – Kapitel Dia-Film 1

Wenn Venedig dunkel wird.

Vor geraumer Zeit war ich im Keller und hatte alte Diakästen hervorgekramt, um sie nach vielen Jahren erstmals wieder durchzusehen. Nach dem ersten Gejammer über die viel zu schnell vergangenen Jahre konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und habe einige Filme zum Digitalisieren ausgesucht. Mit großer Spannung hatte ich die dabei erzielten Ergebnisse durchgesehen – und war wieder enttäuscht.

Natürlich habe ich mich auch – wie früher – über meine eigenen Fehler geärgert: teils falsche Fokussierung und Belichtung sowie ungeschickter Bildaufbau. Davon abgesehen kam jetzt aber zu alledem, dass bei allen Bildern die Schatten ins Dunkle bzw. ins Schwarze abgesoffen waren. Die starken Kontraste mit den im Original noch durchgezeichneten Tiefen überfordern eindeutig die Scantechnik. Die hohe Detailauflösung des Farbdia-Filmes geht in ein unscharfes Gemauschel unter. Dabei hatte ich keinen Problemfilm zum Scannen gegeben, wie die Kodachrome 64 oder 25, die meinen größten Bestand ausmachen, sondern einen Kodak Ektachrome Diafilm.

Eigentlich wollte ich mich erst einmal nicht mehr um die Ergebnisse kümmern. Vor einigen Tagen bekam ich aber eine Newsletter-Mail vom Heise-Verlag, in der auf einen Artikel in der c`t-Fotografie verwiesen wurde, der zu Jahresanfang veröffentlicht worden war. Hierin wurde eine Methode zur Digitalisierung von Dias genauer beschrieben, die auch bei meinen Ektachrome-Filmen aus den 80er und 90er Jahren zur Anwendung kam.

Eine moderne Digitalkamera (in meinem Fall eine Nikon D800) mit vorgesetztem Makroobjektiv wird benutzt, um Diapositive zu digitalisieren. Unterschiede bestehen bei diesem Verfahren in der Projektion der Dias (hinter einer Streulichtscheibe am Fenster, im Diaprojektor, auf einer Leuchtplatte). Die Probleme, die daraus resultieren, liegen dabei in der Ausrichtung der Dia-Ebene, der Fokussierung und weiter in der softwaremäßigen Weiterverarbeitung. Auflösung, Kontrast und Farbverhalten der Ergebnisse können so erheblich differieren. Die Beleuchtung mit LED-Licht, Projektor-Leuchte oder Tageslicht bieten zudem unterschiedliche Schwächen bei der Farbgebung. Überkontrastierung führt zu Detail- und Strukturverlusten in den Schattenbereichen.

Im Fazit wird in dem Artikel (c’t Digitale Fotografie 02/2019) formuliert: „Qualitativ überlegen ist der Scan mit dem Plustec OpticFilm 8200i Ai. Das überraschende Ergebnis ist die gute, weil für viele Fälle ausreichende Qualität, die sich durch abfotografieren auch mit einer einfachen Kamera erreichen lässt. Besonders dann, wenn es lediglich darum geht, sich Bilder auf einem PC oder Tablet anzuschauen, bietet das Abfotografieren viele Vorteile. Die beste Qualität liefert zweifelsfrei ein guter Scanner im Zusammenspiel mit einer guten Scan-Software. Ob es ein eigener Scanner ist, ein Mietgerät oder ob er bei einem Dienstleister steht, spielt dabei keine Rolle.“

Die Ausgabeschärfung bei der Bildausgabe von Capture One tut dem Bildeindruck gut. Die weitere Kompression der JPGs hat keinerlei Einfluss auf die Qualität. An der Farbgebung habe ich am wenigsten auszusetzen. Hier also ein kleiner Ausschnitt der fotografisch „gescannten“ Diapositive aus Venedig.

 

 

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