7 1/2 Stunden

Schwarz-Weiß und unheimlich.

László Krasznahorkai veröffentlichte 1985 den Roman „Sátántangó“ (deutscher Titel: Satanstango), der von Béla Tarr 1994 verfilmt wurde. Der Film dauert in etwa so lange, wie es braucht, den Roman zu lesen: 7 1/2 Stunden. Der ausschließlich in Schwarz-Weiß und mit teils extrem langen Sequenzen (Takes, manchmal eine volle 35er Filmrolle lang) gedrehte Film spielt in der fernen Provinz des nach-sozialistischen Ungarns, in einem verlassenen und verarmten Dorf mit Menschen ohne Zukunft, die zwei Gaunern auf den Leim gehen. Unheimliche Dunkelheit, Regen und Morast bestimmen den Hintergrund der tristen Bilder.

Bevor ich den Inhalt kannte, sah ich als erstes den Ausschnitt der Landschaftsszene in der Dämmerung, die bei etwa 1 Stunde und 10 Minuten beginnt und nach gut 5 min an einem verrotteten und verregneten Trittstein eines Hauses bei Dunkelheit endet. Die Filmmusik, ein lähmender Tango, tut das ihrige um das Beklemmende zu verstärken. Auch den 2. Clip auf YouTube mit dem Mädchen und ihrer toten Katze unter dem Arm hatte ich mir ohne Untertitel angesehen. Er war nicht weniger irritierend; ein regungsloses und ins Leere schauendes Gesicht. Die gut 7 Minuten lange Kamerafahrt zu Beginn des Filmes nimmt einen entweder gefangen und entschleunigt dramatisch (wenn man das hohe Tempo der rasanten Bildwechsel moderner westlicher Filme gewohnt ist) oder sie lässt den Betrachter verständnislos ausschalten. Bleibt man dabei, sind die Ohren bereit für den Beginn der Erzählung. Später erst sah ich den offiziellen Trailer nach der Restauration in 4k, der aber in seiner Kürze garnicht die wesentlichen filmischen Stilmittel vermitteln kann. Auf YouTube ist seit kurzem auch eine ungekürzte Version in Originalsprache mit englischen Untertiteln zu finden.

100 Greatest Films of All Time

Obwohl Kritiker „Sátántangó“ (neben „Metropolis“ von Fritz Lang <1927>, „Psycho“ von Alfred Hitchcock <1960> und „Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce 1080 Bruxelles“ von Chantal Akerman <1975>) auf Rang 35 der 100 besten Filme aller Zeiten gewählt hatten, bleibt der 7 1/2 stündige Film eine schwer verdauliche Selbsterfahrung für den Betrachter. Ungeachtet dessen, dass die langen und langsamen Szenen neben dem Unheimlichen durchaus auch ihre eigene Poesie entwickeln.

Seltsamerweise hatten sich mir die trüben, kontrastarmen Abildungen der Landschaft mit den kahlen Ästen zunächst am meisten eingeprägt. Um diese wieder aus dem Kopf zu bekommen, habe ich dann, während des Silvesterspazierganges, Aufnahmen von den ebenfalls kahlen Baumkronen vor trübem Himmel im Hildesheimer Wald gemacht, um mit ihnen experimentell den Kopf wieder frei zu bekommen.

 


Corona im Hildesheimer Wald.

Auf dem Rückweg sahen wir die Spuren von Corona auch hier im Wald.

Die HAZ hatte weniger Tage zuvor berichtet, dass die Zahl der der stationären COVID-19-Patienten, gerade auch auf den Intensivstationen zugenommen habe. Das Helios-Klinikum habe alle planbaren Eingriffe bis zum Jahresanfang 2021 abgesagt.

Am 31.12.2020 lauten die HAZ-Kurznachrichten: Hilferuf aus Altenheim; mehr als die Hälfte der Pflegekräfte fällt aus. Das Senioren- und Pflegeheim Wülfingen sucht händeringend Unterstützung für die Pflege und Betreuung der Bewohner. Nach dem Corona-Ausbruch in der Einrichtung fällt mehr als die Hälfte der Pflegekräfte aus. Die verbliebenen Kollegen arbeiten derzeit bis zu 14 Stunden am Tag, um die Versorgung der Bewohner aufrecht zu erhalten. Jeder Dritte Bewohner infiziert.

Und weiter: insgesamt befinden sich nach Angaben des Krankenhauses Alfeld 30 Mitarbeiter im Krankenstand, davon rund zwei Drittel Corona-bedingt. Wegen der angespannten personellen Lage hat sich das Haus wieder von der Notfallversorgung abgemeldet. Derzeit befinden sich sieben Intensiv- sowie 19 Covid-Patienten im Haus – ein Schwerpunkt der aktuellen Arbeit. Zusätzlich werden weitere 15 Patienten in der Alfelder Einrichtung behandelt.
Deshalb ruft das Krankenhaus gemeinsam mit dem Alfelder Bürgermeister Bernd Beushausen Freiwillige auf, die im Pflegebereich tätig sind oder waren, sich kurzfristig zu melden. Der Appell richtet sich laut einer Mitteilung des Unternehmens an Menschen, die eine medizinisch/therapeutische Ausbildung haben und bei der Pflege und Versorgung nicht Covid-positiver Patienten die Beschäftigten unterstützen können.

Die HAZ am 01.01.2021. Um 14:39 h: Die Corona-Situation in mehreren Altenheimen in Stadt und Landkreis Hildesheim hat sich am Neujahrstag noch einmal zugespitzt. In der Nordstemmer Senioren-Residenz hat das Gesundheitsamt für die nicht infizierten Mitarbeiter eine sogenannte Arbeits-Quarantäne ausgesprochen, um die Versorgung der Bewohner aufrecht erhalten zu können. Zudem haben sich weitere Bewohner angesteckt. In einem weiteren Hildesheimer Seniorenheim sind ebenfalls mehrere Ansteckungen erkannt worden. Um 17:38 h: Vier Ausbrüche in Pflegeheimen binnen kurzer Zeit, teilweise dramatische Engpässe bei der Versorgung. – Die Entwicklung zum Jahreswechsel hat noch einmal gezeigt, wie richtig und wichtig es ist, Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen schnellstmöglich zu impfen. Zumal die Auswirkungen nicht auf die Heime beschränkt blieben, Mitarbeiter das Virus ungewollt weitertragen können. – Tempo ist gefrag! Umso unverständlicher ist es, dass das Impfen in Niedersachsen so langsam begonnen hat und im Kreis Hildesheim erst am Dienstag überhaupt startet.

Tatsache ist laut zeit.de, dass Niedersachen am Morgen des 02.01.2021 mit einer Rate von 0,03 pro 100 Einwohner neben Thüringen die geringste Impfquote von allen Bundesländern nachweist. Der bisherige Spitzenreiter ist MVP mit 0,71 von 100 Einwohnern. Zu diesem Zeitpunkt weist Israel bereits eine Impfrate von gut 11% der Bevölkerung auf, UK von 1,4% und die USA von 0,84%.

 


Notizblog

Innerhalb von C1 hatte ich bei den RAW-Dateien zunächst die Basiseinstellung Standard gewählt. Für die anschließenden Ausarbeitung kam nur Silver Efex in Frage. Zur trüben, flauen Tristesse (unter „Vintage“ sind einige Presets in der Richtung zu finden) konnte ich mich letztlich doch nicht durchringen. Nach verschiedenen Versuchen entschied ich mich für das Preset „Silhuette“ unter den Voreinstellungen „Modern“. Obwohl ich in Silver Efex die Gesamtbelichtung und die Spitzlichter bereits zurückgenommen hatte, ebenso wie die harten Kontraste, waren mir die erzeugten TIFFs letztlich doch noch zu strahlend, so dass ich bei ihnen abschließend Lichter und Belichtung noch einmal weiter reduzierte.

 

 

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