Bernhards Bankenfimmel

Farbige Infrarot-Variationen.

Ich kann mich nicht mehr an ein verregnetes Pfingstwochenende erinnern. Heute jedenfalls regnet es seit den frühen Morgenstunden ohne Unterbrechung. Dabei hatte ich auf sonnige Pfingsten gehofft, mit blauem Himmel und einigen kräftigen Puffwolken. Das helle, leuchtende Grün in der Landschaft hat sich in den letzten Tagen so üppig entwickelt und dadurch einige Bäume wieder so prachtvoll ausgestattet, dass ich mir weitere Infrarotversuche vorgenommen hatte.

So musste ich mir eine Alternative ausdenken. Glücklicherweise hatte ich kürzlich auf der Webseite „Der Amateur Photograph“ von Bernhardt Schmickt, auf den ich durch seine Kommentare aufmerksam geworden war, die Ausführungen zur Infrarotfotografie gelesen, auch seinen Austausch mit Birgit Franik, die den Blog „SEHN-N-Sucht“ betreibt. Auf ihre Webseite war ich erstmals gestoßen, als ich vor einigen Jahren nach der Hunderasse „Elo“ gesucht hatte und ihren Blogeintrag zu Mailo sah. Unabhängig davon hatte ich zu einem anderen Zeitpunkt den Blogeintrag „Irre schön Borken“ bei einer Internetsuche zur Infrarotfotogrfie gefunden, mich damals aber mehr für die SW-Versionen interessiert und die farbigen Modifikationen beiseite gelassen.

Bei Bernhardts loser Blog-Reihe „Bankenfimmel“ fand ich heute auf seiner Startseite die Nummer 96 einer geschwungenen Liegebank (deswegen das Überschriften-Zitat), ähnlich derer, die ich im Mai 2018 in unserem Garten unter dem damals bereits gestutzten, aber von Rosen überwucherten Walnussbaum fotografiert hatte – aufgenommen mit einem Hoya Infrarotfilter R 72 67mm am Fujinon 16mm/f1,4 (an der X-T2) und in SW konvertiert.

Aus einer anderen Infrarotserie habe ich bei einigen Aufnahmen ähnliche Versuche vorgenommen und zwei verschiedene Referenzpunkte für den Weißabgleich gesetzt. Bei der zweiten Serie wurde die so erzeugte Falschfarbe Blau des Pflanzengrüns im Farbeditor unverändert belassen.

Weißabgleich auf das Weiß der Wolken

Weißabgleich auf das Grün der Felder


Notizblog

Mit Capture One kann man global den Weißabgleich und die Farbbalance festlegen, aber auch selektiv über den Farbeditor Einfluss auf einzelne Farben nehmen, diese sogar schrittweise verschieben bzw. umkehren. Um nicht an zu vielen Schrauben gleichzeitig zu drehen, habe ich in den beiden ersten Bildreihen den Weißabgleich auf einer weitgehend neutralen Fläche (den Wolken) vorgenommen, um so ein von konventionellen SW-Fotos gewohntes Himmelsgrau zu erzeugen und um dann die hierbei entstehende Farbverschiebung der Grünanteile mit Hilfe des Farbeditors zu modifizieren. Der Weißabgleich auf des Grün in den Feldern erzeugt zumeist eine Sepia artige Tonung der Himmelsanteile und eine Blaufverfremdung der Bäume und Felder, die in den 3 obigen Beispielen jeweils durch Anhebung der globalen Farbsättigung noch einmal verstärkt wurden.

Setzt man dagegen die globale Sättigung zurück, verändert sich die Bildwirkung in einer Weise, die mir wieder etwas besser gefällt.

Weil zu wenig Farbgegensätze in meinen Aufnahme vorkommen (nur oben Himmelsblau, darunter ganz viel Pflanzengrün), sind die Ergebnisse dieser Infrarot-Farbversuche bildmäßg nicht sonderlich interessant. Mir ging es aber erst einmal darum, mit den Mitteln von Capture One, die vorhandenen Möglichkeiten auszuloten.


Nachtrag 1

Bei den Ergebnissen der Farbverschiebung im Farbeditor von C1 waren mir teilweise Überstrahlungen aufgefallen, die nicht durch eine Reduktion im Sättigungsregler zu beseitigen sind und von denen ich zunächst annahm, sie seien durch eine fehlerhafte Farbverarbeitung innerhalb C1 entstanden. Daher habe ich die gleiche Datei an Affinity Photo übergeben, um dort im Kanalmixer die übliche Farbumkehr von Rot und Blau vorzunehmen (letztes Bild). Auch dieses Ergebnis weist die gleiche Farbüberstrahlung auf, die jeweils im Bildzentrum oberhalb des Laubbaumes zu erkennen ist.

Zur Veranschaulichung zeige ich in der folgenden Galerie jeweils eine JPG-Version der ursprünglichen RAW-Datei, dann eine Farbkonvertierung innerhalb C1. Bei dieser Version war der Weißabgleich zuvor auf die Wolken gesetzt worden. Der Weißabgleich im vorletzten und letzten Bild wurde innerhalb C1 auf Pflanzengrün gelegt. Das letzte Bild enstand dann in Affinity Photo mit der Farbumkehr im Kanalmixer.

Übrigens, mir war nicht bewusst, dass weder in Lightroom, noch in Adobe Camera-RAW selber ein direkter Weißabgleich der farbigen Infrarotversionen möglich ist. Deren untere Einstellgrenzen enden bei 2000 Kelvin, während diese bei Capture One bei 800 Kelvin liegt, so dass mit beiden Adobe-Programmen der Weißabgleich offensichtlich über einen Umweg erfolgen muss.


Nachtrag 2

In der folgenden Auflistung habe ich Links zusammengetragen zu Webseiten von Peter Roskothen, Matthias Haltenhof und Sven Lamprecht, die sich in ihren Blogs zur Infrarotfotografie und deren Bildbearbeitung geäußert haben. Darüber hinaus sollen Hinweise auf geeignete (oder auch nicht) Objektive wie auf mögliche Hardwareanpassungen (Filtermodifikation am Kamerasensor) nicht fehlen. Mit dem letzten Link verweise ich auf Darktable, einer/m „open source photography workflow application and raw developer“. Sven Lambrecht hat anschauliche Videobeispiele (in zweisprachigen Versionen) für die Infrarot-Entwicklung mit Darktabel auf seinem YouTube-Kanal von IRreCams veröffentlicht – heute die Episode 33, die zudem verschiedene Infos zu Objektiveinschränkungen und Filterstärke bietet.

 

 

2 comments

  1. Hallo Siegfried,

    was habe ich da nur angerichtet mit meinem Bankenfimmel und Infrarotfotografie 😀

    Nee, es freut mich, dass Du den Faden aufgenommen hast und Deine eigenen Ideen dazu entwickelt hast.

    Habe noch einen schönen Pfingstmontag

    LG Bernhard

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    1. Moin aus dem Norden.
      Der Bankenfimmel ist doch originell, mir würde allerdings das Durchhaltevermögen dazu fehlen.
      Habe gerade gesehen, Infrarot-Interessierte treffen sich an den gleichen Anlaufstellen immer wieder.
      Gruß.
      Siegfried

      Antworten

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