Mönchehaus

Einladung zum genauen Sehen?

Ohne das Fragezeichen ist dieser Satz ein Überschriftenzitat eines Artikels der Goslarschen Zeitung über die noch bis zum 24.02.2019 laufende Ausstellung des letztjährigen Kaiserringträgers, Wolfgang Tillmanns im Mönchehaus Goslar. Die zweite Zeitungsüberschrift, die mir in Erinnerung geblieben ist, lautet „Männerarme zeigen Stärke und Verletztlichkeit“. – Aha.

Dass es sich nicht um eine gewöhnliche Fotoausstellung handeln würde, hatte ich mir bereits vorher gedacht – sonst wäre Tillmanns nicht Kaiserringträger geworden. Ich gebe zu, dass ich dann dennoch anfangs etwas enttäuscht war, als ich durch seine Präsentation der Bilder im Mönchhaus gegangen bin – scheinbar planlos und nachlässig aufgehängte rudimentäre Prints; mit viel Ungeziefer, stilisierten Banknoten und teils nackte, vergänglich wirkende Menschen, die auf Makulaturbögen mehrfach überdruckt wurden. Daneben dann Passagen mit eher kunsthandwerklich wirkender Fotografik oder Copygrafik. Im Flyer der Ausstellung ist zu lesen: „Wolfgang Tillmanns hat im Mönchehaus drei Tage lang bis spät in die Nacht an der Hängung getüftelt“.

„Ich mache Bilder, um die Welt zu erkennen“

Erst bei dem folgenden Wandabschnitt mit der Installation verschiedener Makulaturbögen oder großen Bögen mit Mehrfachdrucken begann ich zu verstehen, dass es Tillmanns nicht (nur) um konventionelle Fotografie (das kann er auch, er ist Preisträger der Hasselblad Foundation International Award in Photography des Jahres 2015 ) geht, sondern, dass er vielmehr das Sehen, Wahrnehmen und Interpretieren grundsätzlicher hinterfragt. Inhalte, Verarbeitung, Präsentation der Bilder irritieren in kollagenhaften Nebeneinander und relativieren Gewohntes im Fotografieren und Betrachten. Aus einem zweidimensionalem Bogen wird eine dreidimensionaler Gegenstand. Vermeintlich Unfertiges hängt neben fotografisch sorgfältig Ausgearbeitetem und aufwändig Präsentiertem (Fine-Art-Print aufgezogen auf AluDibond im Schattenrahmen). „Als Besucher muss man selber den Dingen ihren Wert zuweisen. Also nicht: ‚Ah großes gerahmtes Bild – wichtig; kleines ungerahmtes Bild – unwichtig‘.“

Der Ausstellungsflyer ist bei den aufkommenden Fragen zu dieser Präsentation wenig hilfreich. Mehr Einblicke gewinnt man dagegen, wenn man etwas Zeit der umfangreichen persönlichen Webseite von Wolfgang Tillmanns widmet. Unter anderem das Interview von Hans Ulrich Obrist mit Tillmanns aus dem Jahre 2007 ist zu einigen Gesichtspunkten aufschlussreich. Einige seine Bücher lassen sich als PDF-Dateien herunterladen und einsehen. Eine Gesamtübersicht seiner Bücher ist hier zu finden.

 

Die Koexistenz von Image und Picture  –  Das Foto als Objekt

Ein Video des Institutes für Kunstdokumentation und Szenografie IKS

 

Umbauarbeiten zum Ausstellungswechsel

Demnächst wird eine Ausstellung „Kunstpreis Kaiserring 2019-1975“ mit Exponaten der bisherigen Kaiserringträger eröffnet. Derzeit sind (wie im folgenden Bild gezeigt) verschiedene Objekte von Nam June Paik, dem Kaiserringträger von 1991, zwischengelagert. Andere Bildexponate warten noch in ihren großen hölzernen Transportboxen auf die Präsentation.

Weitere Ausstellungen waren derzeit nicht zu besichtigen. Durch die zurückliegenden Sanierungsmaßnahmen, bei denen ein großer Betonkomplex im Inneren des alten Fachwerkgebäudes konstruiert wurde und der die alte Struktur des Museums spürbar verändert hatte, wurde die Anzahl der Ausstellungsräume reduziert und damit auch die Möglichkeiten für kleinere zusätzliche Präsentationen.

 

Video-Links zu Tillmanns-Ausstellungen:

 

 

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