Schloss Derneburg – Hall Art Foundation – 2020

Berlin kommt nach Niedersachsen.

„Die größte Schwierigkeit war, die neue Ausstellung so zu konzipieren, dass die Besucher in Corona-Zeiten ohne Führung auskommen.“ Das war einer der Sätze, die ich beim Warten an dem kleinen Cafe einem Gespräch unmittelbar vor mir entnahm.

Ich meine, es ist den Ausstellungsmachern gut gelungen! Die ausgewählte Menge der Besucher, die ihr Ticket voraus online buchen müssen, verteilt sich in der weitläufigen Anlage, so dass auch bei Besorgten keine Corona-Ängste aufkommen sollten.  Wenn man mit dem Einsatz moderner Technologie vertraut ist, findet man sich schnell ohne persönliche Führung zurecht und erhält eine gut dosierte Menge an Informationen während des Rundganges. Erleichtert wird dies über das freie Gäste-WLAN des Museums und die an wesentlichen Abschnitten angebrachten Barcodes. Mit der Foto-App des Smartphones wird der Barcode gescant. So erhält man über den Browser rasch einen Zugriff auf Kurzinformationen des betreffenden Künstlers, hier am Beispiel von Robert Longo. Bei weitergehendem Interesse kann man sich in der Kurzinfo über den abschließenden Link „Mehr“ zu der ausführlichen Webseite weiterleiten lassen, hier am Beispiel von Katharina Grosse. Selbst an Solar betriebene Ladestationen an den weit auseinander stehenden Tischen im Innenhof-Cafe wurde gedacht; natürlich mit passendem USB-C- sowie Lightning-Anschluss. Beim Eintritt wurden 3 Flyer plus Karte vom Schloss und der Domäne ausgehändigt.

 

 

Unbedingt ansehen!

In der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung schrieb Martina Prante am 8. September 2020 zu recht: „Das muss man gesehen haben“. Sie bezog diese Aussage im einleitenden Absatz zunächst auf die riesigen Bilder von Katharina Grosse im großen Rittersaal, in denen „Farben mit Vehemenz um ihren Platz kämpfen“, bezieht aber in der abschließenden Empfehlung die gesamte Ausstellung ein. – Ob Schlachten überhaupt zivilisiert sein können, selbst wenn es sich, wie im Artikel geschrieben, um „Farbschlachten“ handelt, sei dahin gestellt. Davon abgesehen, hat uns der Artikel neugierig gemacht, so dass wir gleich für das 2. Ausstellungswochenende unsere Tickets gebucht hatten. Auch war es für uns im nachhinein die richtige Entscheidung, an dem herrlichen Spätsommertag den Rundgang durch die Ausstellung im sonnendurchfluteten Rittersaal zu beginnen, wo die Weite des Raumes, das helle Mittagslicht durch das hohe, gelb leuchtende Portalfenster, die riesigen Bildformate und die intensiven Farben der Exponate einen fulminanten Auftakt gaben.

 

 

Nicht anfassen!

Hilfsbereite, freundliche junge Mitarbeiter standen in allen Sektionen, gaben bereitwillig Auskunft und passten auf, dass ich den Exponaten nicht zu nahe kam und waren resolut in der Aufforderung „nicht anfassen!“. Und das, wo gerade in der „Berliner Scheune“ einige Ausstellungsstücke dazu verleiten, auch den Tastsinn zu befriedigen, wie z.B. an dem großen, auf Hochglanz polierten China-Holzblock von Ai Weiwei oder an dem Quader, umhüllt mit schwarzen Ledergürteln („Corner Boy“) von Monica Bonvici, wo ich bei meinem Drang zum Berühren ganz vergaß, nach oben zu schauen, „wo der angebrachte Spiegel, der eine Reflektion an die Decke projiziert, die rigiden, jedoch letztlich inhaltslosen sozialen Strukturen, die gender-basierte Vorurteile erzeugen, symbolisiert, welche wiederum den Weg für Diskriminierung bereiten“ (Zitat aus dem zugehörigen Flyer) – …

 

 

Eingangshalle  und Kreuzgang

 

 

Robert Longo – 14 crosses, mixed media installation

 

 

Katharina Grosse

 

 

Robert Longo – When heaven and hell change places

 

 

Nach oben und unten

 

 

Johannes Kahrs

 

 

Karl Horst Hödicke

 

 

Kaffee-Pause

 

 

Auf dem Weg zur Scheune

 

 

Szene Berlin

 

 

Nach dem Museumsrundgang

 

 


Notizblog

Alle Bilder entstanden als Freihandaufnahmen mit dem vorhandenen Umgebungslicht, ohne Blitz, ohne Stativ. Als Objektiv kam ausschleßlich mein Lieblingsobjektiv, das Fujinon 16 mm/1,4 (entsprechend 24 mm im sog. Vollformat) an der Fujifilm X-Pro3 zum Einsatz. Wie vor 3 Jahren habe ich mich auch jetzt entschlossen, für die Fotodokumentation des Ausstellungsrundganges auf die Filmsimulation „Classic Chrome“ zurückzugreifen. Anfängliche Experimente mit „Classic Negative“ konnten mich nicht überzeugen. Aufgrund der Erfahrungen von 2017 habe ich aber diesmal nicht die JPGs direkt aus der Kamera weiter verarbeitet, sondern die Filmsimulation innerhalb von Capture One Pro 20 benutzt. Gründe hierfür waren u.a. die erheblich eingeengten Bearbeitungsmöglichkeiten der 8 Bit JPG-Dateien, die Modifikationen der Hell-Dunkel-Kontraste durch Eingriffe an Lichtern und Tiefen sowie der Belichtung spürbar begrenzen. Im Gegensatz zu 2017 habe ich weniger geschwärzte Tiefen eingesetzt und die Kontraste geringer pointiert. Entgegen meiner üblichen Gepflogenheiten wurde bei einigen Bildern mit C1 leicht nachgeschärft. Entscheidender ist aber die deutliche Anhebung der Sättigung, was ich sonst ebenfalls vermeide. Anlass hierfür war das folgende Ausschnittsfoto eines Bildes von Katharina Grosse, das ich bereits zu Beginn des Rundganges im großen Rittersaal aufgenommen hatte. Ich wollte diesmal, trotz der verwendeten Filmsimulation „Classic Chrome“, einfach mehr Farbe.

Dabei habe ich in Kauf genommen, dass ein korrekter Weißabgleich unmöglich wird. Ein neutrales, lichtes Weiß war wiederum nicht Ziel meiner Fotodokumentation, u.a. weil es nicht meinem persönlichen Eindruck der teils bedrückenden Bildinhalte entspricht. Das findet man vielmehr auf der hervorragenden Website der Hall-Foundation mit den offiziellen Ausstellungsfotos von Roman März und Heinrich Hecht.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.