Graffiti – Nr. 4

Mit Maske.

„Ohne Maske hat man nach dem Sprühen abends schon etwas Kopfschmerzen.“ Bei meinem nunmehr vierten Besuch der Garagen-Graffiti hatte ich endlich einmal Gelegenheit, erste Einblicke und Auskünfte zur Entstehung eines Graffitis zu bekommen. Ich war spät dran mit der Fortsetzung meiner Graffiti-Serie vom hildesheimer Ostbahnhof. Bereits bis zum September waren alle Bilder erneuert worden. Einer, der das nunmehr gut 20 Jahre macht, hat mir bereitwillig Fragen beantwortet und gestattet, einige Arbeitsaufnahmen mit Maske zu machen. Auf das alte Graffiti wurden von ihm zunächst die Umrisse der neuen Version in dünnen schwarzen Strichen skizziert. Die Vorlage war auf einem zusammen gefalteten Briefumschlag entworfen worden. „Meistens brauche ich einen Tag bis ich ein Graffiti dieser Größe fertig habe. Andere brauchen bis zu 2 Tagen.“ Nicht immer werden die Wände von Einzelnen gestaltet, sondern manchmal auch gemeinschaftlich von mehreren Künstlern. Die Ausrüstung mit mehreren Kartons voller Sprühdosen sowie die Arbeitstasche standen am Zaun zu den Bahngleisen. Aus der Tasche wurde zunächst eine Getränkeflasche herausgeholt, danach eine Gesichtsmaske, an die 2 neue Filter angeschraubt wurden.

Dann ging es an das großfläche Sprühen bzw. Ausfüllen der Randstriche – mit einem tiefen Schwarz. „Streichen geht schneller und ist billiger als das Sprühen.“ Außerdem seien Sprühdosen einfacher zu entsorgen, so dass die Umgebung schneller aufgeräumt werden kann. „Nur hinter den Zaun, auf das Gelände der Bahn kommt man nicht. Das ist verboten!“ Was weiter entfernt auch gut zu sehen ist: ein großer Farbeimer in Plastiktüte lag hinter dem Zaun, neben zahlreichen alten, schon verrosteten Sprühdosen sowie etlichen abgeblätterten Farblagen. „Beim Einkauf preiswerter Farben im Baumarkt kommt man mit weniger als 50 € für solche Flächen hin.“


Notiz-Blog

Die tief stehende Sonne hat mir mehr als zuvor Schwierigkeiten in der Bewältigung der Reflexe an den glänzenden Farbflächen bereitet. Zunächst hatte ich die alten Entwicklungsschritte in C1 unverändert auf die heutigen Fotos übernommen. Im März und September steht die Sonne am späten Vormittag günstiger. Mein eigener Schatten fällt nicht auf die Wandanschnitte und die Reflexe in den linken oberen Ecken fressen weiniger aus. Von daher musste ich bei der Mehrzahl der Bilder eine Korrektur-Ebene mit der linearen Verlaufsmaske erstellen, um hier Belichtung, Lichter zu reduzieren, dafür Sättigung und Kontrast anzuheben. Ausnahmsweise war sogar eine deutliche Reduktion der Klarheit und insbesondere der Struktur bis in das Negative hineien notwendig. Die selektiven Farb-SW-Entwicklungen in  C1 waren problemlos über eine weitere Ebene mit einer Luminanzmaske zu bewerkstelligen – mit Airbrush und automatischer Maskierung. „Silberreiches“ Korn mit der Stärke 22 und eine leichte Vignette bildeten den Abschluss in der SW-Entwicklung.

Corona die Zweite

Es war heute ein schöner, sonniger Sonntagmorgen. Die von Anbeginn zu erwartende zweite Corona-Welle droht die Kliniken mit Kranken zu überfüllen. Ein Menschen verachtender Narzist wird gerade abgewählt. Der Wahlprozess ist zwar noch nicht abgeschlossen, beglückwünscht und gefeiert wird aber trotzdem. Es bleibt abzuwarten, ob der letzte Teil des kürzlich plakatierten Slogans „Hope – Hate – Heal“ für die Zukunft zutreffend ist.

 

 

 

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