Die hässliche Schnecke

So sagen es die Hildesheimer.

Zum Teil mag das stimmen. Auf jeden Fall trifft das zu für die Menge an zerbrochenen Bier- und Schnapsflaschen, die ständig auf der Schnecke selber und den angrenzenden Brücken liegen. Sie bereiten mir daher immer wieder Sorgen, so dass ich auf dem Wege zur Arbeit mit dem Fahrrad aufpasse, dass mir die Reifen nicht zerschnitten werden. Anfangs bin ich täglich die Schnecke mit dem Fahrrad hoch und runter gefahren; zumindest solange bis ich entdeckt hatte, dass der kleine Umweg über den Immengarten und die Goslarsche Straße schneller und einfacher zu fahren ist. Meines wissens ist es die einzige Möglichkeit, zu Fuß oder mit dem Fahrrad über die Gleisanlagen des Ostbahnhofs und die benachbarte 4-spurige Straße Am Kreuzfeld zu kommen.

So richtig aufmerksam auf die Schnecke wurde ich erstmals 2017 als ich mir die Graffitis an der Garaganzeile der Gravelottestraße anschaute. Einige Zeit zuvor hatten mich die Architekturaufnahmen in Schwarz-Weiß von Joel Tjintjelaar beeindruckt, so dass ich wiederholte Male versuchte, einige Elemente seiner SW-Bearbeitung zu erlernen. So sind auch die folgenden experimentellen Bearbeitungen von Aufnahmen der Schnecke bei sonnenklarem, tief blauem Himmel entstanden.

Heute dagegen habe ich mich bei den SW-Bearbeitungen leiten lassen von Eindrücken, die ich durch das Video „Architekturfotografie mit der Fuji X-H1 und dem XF10-24 + Bildbearbeitung in Capture One Pro“ von Michael Damboeck erhalten hatte. Ohne die von ihm gezeigten Entwicklungsschritte in C1 wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Regler von Klarheit und Struktur so weit hoch zu ziehen, um Betonoberflächen die flächige Einheitlichkeit oder Langeweile zu nehmen. In einem anderen Video von ihm habe ich gesehen, welche Schärfung die Fuji-RAW-Dateien in Capture One vertragen – wenn einem das für das entsprechende Motiv in den Sinn kommt. Das heutige diffuse und helle Licht schien mir geeignet, diese Entwicklungsversuche einmal am Beton der Hildesheimer Schnecke auszuprobieren.


Notizblog

Alle SW-Bearbeitungen sind ausschließlich in C1 entstanden. Grundlage sind RAW-Dateien, die sämtlich über das SW-Modul mit Hilfe der einzelnen Farbregler entwickelt wurden. Die Regler für Cyan und Blau sind weit nach links gezogen worden, die Belichtung teils um 3/4 bis 1 1/2 Blenden angehoben, dafür die Lichter maximal abgesenkt und die Tiefen dagegen stark angehoben – alles mit dem Ziel das mittlere Grau des Betons in den Tonwerten aufzuspreizen, der einheitlichen Fläche Struktur zu geben und gleichzeitig in den Tiefen des Schattens die Zeichnung zu erhalten. Den letzten „Biss und Knackigkeit“ geben die Eingrenzungen der Tonwertkurve und die leichte S-förmige Modifikation der Luma-Kurve. Wie immer sind solche starken Veränderungen ein Frage der persönlichen Vorlieben. Ein Experiment waren sie mir heute wert.

 

 

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