Garagen-Graffiti Nr. 3

Corona-Lähmung.

Es herrschen schwierige Zeiten und ein Ende ist nicht absehbar. Quaranta – vierzig Tage hatte früher die venedische Republik die aus dem Osten ankommenden Schiffe draußen vor der Stadt warten lassen, bis sie endlich in die Stadt hinein durften, um die Waren zu entladen. Die Vorsichtsmaßnahme galt gegenüber der damaligen großen Seuche, der Pest. Heute werden die von SARS-CoV-2 infizierten 14 Tage in Quarantäne geschickt, um die Weiterverbreitung zu hemmen. Darüber hinaus gelten Kontaktsperren und Abstandsgebot für das ganze Land – lahm gelegt, mit allen Konsequenzen für Mensch und Gesellschaft. Über andere Regionen der Welt werden nach und nach ebenfalls Isolationsmaßnahmen verhängt werden, auch wenn Leugner und Realitätsverdreher sich zunächst verweigern.

Mit Datum vom 08.04.2020 werden von einer renommierten Einrichtung hoffnungsgebende Informationen präsentiert. Unter dem Titel „Die Kontaktsperre bringt die Wende“ haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Göttingen die Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen, die seit Anfang März in Deutschland ergriffen wurden, demonstriert. Sie kommen weiter zu dem Schluss, dass die besonders restriktiven Maßnahmen noch etwa 10 Tage aufrecht erhalten werden müssen, um die Zahl neu Erkrankter so niedrig zu halten, dass die Versorgung in den Krankenhäusern mit den vorhandenen Kapazitäten gewährleistet werden kann. Wie Mathematiker die Prognose in einer doppelt-logarithmischen Grafik darstellen, zeigt der Link zur Max-Planck-Gesellschaft in Leipzig; gültig ebenfalls nur unter der Voraussetzung, dass die Kontaktsperren aufrechterhalten werden und sich die Epidemie dadurch abschwächt.

 

Was haben Corona und Graffiti miteinander zu tun?

Nicht viel, außer dass mich die Fortsetzung dieser kleinen Graffiti-Fotoserie erstmals wieder aus der bleiernen Schwere, die mit den gravierenden Umstellungen in der aktuellen Corona-Krise verbunden sind, heraus gerissen hat. Darüber hinaus habe ich dieses Frühjahr mehr ein Chaos in den Graffitis gesehen, während ich bei den Vorgängern mehr das Spiel mit Farbe und Grafik-Design im Sinn hatte.

Anfang letzten Jahres hatte ich mir vorgenommen, etwa im Halbjahresabstand die neu entstehenden Graffitis an einer Garagenzeile in der Nähe des Hildesheimer Ostbahnhofes zu dokumentieren (Auf dem Weg zur Arbeit, Hildesheim Ost). Es braucht etwa ein halbes Jahr, bis alle Garagenwände wieder mit einem neuen Sprühbild versehen worden sind. Manche werden recht rasch neu gestaltet, andere bleiben dagegen über Monate, bis auch sie durch eine neue Version ersetzt werden. Ende März und Ende September steht die Sonne vormittags zwischen 10 und 11 Uhr recht günstig, um einen guten Kompromiss hinsichtlich der Farben und möglicher Reflexe (je nach Eigenschaft der Wandfarbe) zu ermöglichen. Steht die Sonne tiefer, gibt es weniger problematische Reflexe, die Farben werden aber wärmer und der eigene Körperschatten stört auf den Wänden. In der Mittagszeit leiden die Farben und die Brillanz; die Reflexe sind noch weniger beherrschbar. Ab dem frühen Nachmittag liegen alle Garagenwände im Schatten.

 

Garagenzeile

 

Neue Graffiti-Versionen

 

Hinter dem Zaun

 

Was wird bleiben?

Auf jeden Fall eine düstere Erinnerung an das Jahr 2020 und einige gesellschaftliche Verwerfungen.

 


Notizblog

Alle Aufnahmen sind ausschließlich mit der Fujifilm X-Pro3 und dem Weitwinkelzoom Fujinon 4,0/10-24 mm entstanden. Bei der Bearbeitung der RAW-Dateien in C1 habe ich bei den Basismerkmalen nicht die Kurve „Auto“, sondern „Film – Standard“ benutzt. Dadurch waren weniger starke Eingriffe insbesondere bei der Sättigung, aber auch bei Kontrast, Klarheit und Struktur notwendig. Andere Filmsimulationen kommen nicht in Frage, weil sie die Farbnuancen über Gebühr verschieben bzw. verfälschen. Die gewählte C1-Vorgabe liefert in der Grundeinstellung bereits so gute Ergebnisse, dass sich durch JPG-Dateien der Bearbeitungsaufwand nicht verringert hätte. Die Schritte für die genauen Trapezkorrekturen und die freien Bildausschnitte haben ohnenhin den größten Zeitbedarf erfordert. Bei den Tonwerten und der RGB-/Luma-Kurve wurde nicht eingegriffen, sondern lediglich das Schwarz mit dem hierfür eigens in C1-V20 eingerichteten Regler betont. Die Grundeinstellung für Schärfung und Rauschreduzierung empfand ich ideal. Artefakte durch Überschärfung, die bei genauer Betrachtung meiner alten Aufnahmen an feinen Wandstrukturen zu erkennen sind, ließen sich somit vermeiden. Die SW-Bilder wurden ausschließlich in C1 entwickelt, teils mit Einsatz der Ebenen- und Maskentechnik, um Farbe und SW zu kombinieren.

 

 

 

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